RAKETE MIT KAFFEEKÜCHE

Bahn setzt neue IC-Züge zwischen Rostock und Berlin ein

Alle zwei Stunden fährt bald ein IC von Rostock über Neustrelitz und Waren nach Berlin. Für die Strecke wurden Züge aus Österreich gekauft. Was können die genau?
Der Intercity soll eine „raketenartige Beschleunigung“ haben, so die Bahn. Jedenfalls im Vergleich zu anderen Z&uu
Der Intercity soll eine „raketenartige Beschleunigung“ haben, so die Bahn. Jedenfalls im Vergleich zu anderen Zügen. Lassiwe
Die neuen Züge sollen ab dem 08.03.2020 auf der Intercity-Linie Rostock-Berlin-Dresden zum Einsatz kommen.
Die neuen Züge sollen ab dem 08.03.2020 auf der Intercity-Linie Rostock-Berlin-Dresden zum Einsatz kommen. Gregor Fischer
Der Innenraum der ersten Klasse.
Der Innenraum der ersten Klasse. Gregor Fischer
Eine Toilette mit grüner Beleuchtung.
Eine Toilette mit grüner Beleuchtung. Gregor Fischer
Steckdosen für die Fahrgäste in der ersten Klasse.
Steckdosen für die Fahrgäste in der ersten Klasse. Gregor Fischer
Das Fahrpult des Doppelstockzuges.
Das Fahrpult des Doppelstockzuges. Gregor Fischer
Die Treppe zum Oberdeck.
Die Treppe zum Oberdeck. Gregor Fischer
Oranienburg.

Von Null auf Hundert in 30 Sekunden. „Für einen Zug ist das eine raketenartige Beschleunigung“, schwärmt Matthias Semrau. Der Produktmanager von DB-Fernverkehr steht zusammen mit dem Bahnvorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber, am Tiefbahnhof des Berliner Hauptbahnhofs. Hinter ihnen steht der erste der neuen Intercity-Triebzüge, die die Deutsche Bahn AG von der österreichischen Westbahn übernommen hat.

Ab dem 8. März sollen die bis zu 200 Stundenkilometer schnellen, über 300 Sitzplätze verfügenden Züge alle zwei Stunden auf der Intercity-Verbindung zwischen Rostock, Berlin und Dresden verkehren. Und dabei auch in Oranienburg, Neustrelitz und Waren (Müritz) halten. Und ab Mai sollen die Züge, wenn das dortige Digitale Stellwerk in Betrieb gegangen ist, dann auch bis Warnemünde fahren.

Mobilitätswende

„Die KISS-Züge sind eine ideale Ergänzung für uns“, sagt Huber. „Wir wollen den Fernverkehr zurück in die Fläche bringen.“ Mit den neuen Zügen und besseren Angeboten leiste man „Schritt für Schritt einen Beitrag für die Mobilitätswende in Deutschland.“

In den Zügen fallen als erstes die Kunstledersitze auf, die es nun auch in der Zweiten Klasse gibt. Alle Plätze sind reservierbar, auch die acht Fahrradplätze, für die im Fernverkehr – anders als in den oft mit Ausflüglern überfüllten Regional-Express-Zügen – ohnehin eine Reservierung erforderlich ist. Im Zug gibt es zwei Reisecafés mit Snackautomaten und Selbstbedienungs-Kaffeemaschinen, aus denen man sich einen Cappuccino oder Espresso ziehen kann: Die Herkunft der Züge aus dem Kaffeeland Österreich ist hier unverkennbar. Zudem soll es einen „Am-Platz-Service“ in der Ersten und in der Zweiten Klasse geben.

Wohin mit dem Gepäck?

Was es dagegen nur wenig zu geben scheint, sind Abstellplätze für Gepäck. Die Gepäckablagen über den Sitzen wirken ähnlich schmal wie in vielen RE-Zügen, einen Reisekoffer für den Ostseeurlaub wird man dort nicht unterbringen können. Die Bahn will deswegen noch einige Gepäckablagen nachrüsten.

Und auch die Nummerierung der Wagen dürfte bei manchen Fahrgästen für Verwirrung sorgen. Denn schaut man auf die Wagennummern etwa an einem Wagenstandsanzeiger auf dem Bahnsteig, verfügen die ersten, insgesamt neun vierteiligen Züge nur über die Wagen „1“, „4“, „5“ und „6“. Wo sind Wagen „2“ und „3“ geblieben? „Wir werden von der Westbahn auch einige sechsteilige Züge übernehmen“, sagt Christoph Mienert, der technische Verantwortliche für diesen Zugtyp. Sie würden dann von eins bis sechs durchnummeriert.

Der Vorsitzende des Berlin-Brandenburger Landesverbands des Bahnkundenverbands „Pro Bahn“, Peter Cornelius, der an der Vorstellung der Züge teilnahm, sprach von einem „positiven ersten Eindruck“, den die Züge auf ihn machten. Er habe hohe Erwartungen an die neue Baureihe.

Zweite Chance für stillgelegte Bahnstrecken

Während die Bahn in Berlin die neuen Intercity-Züge vorstellte, forderte Brandenburgs Linksfraktion in Potsdam die Wiedereröffnung stillgelegter Bahnstrecken. „Der Bund hat das Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz und das Regionalisierungsgesetz novelliert“, sagte der Landtagsabgeordnete und frühere Finanzminister Christian Görke.

„Dadurch gibt es jetzt mehr Geld für umweltverträgliche Investitionen in den Schienen-Nahverkehr.“ Als Beispiele für mögliche Reaktivierungen nannte er die Wriezener Bahn, den westlichen Abschnitt der Brandenburgischen Städtebahn zwischen Treuenbrietzen, Bad Belzig und Brandenburg/Havel und die Strecke zwischen Ketzin und Wustermark.

„Für die künftige Bestellung des Verkehrsangebots kann das Land die zusätzlichen Mittel aus dem Regionalisierungsgesetz nutzen“, so Görke. Hierfür stelle der Bund bis 2031 insgesamt über 160 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Erst vor wenigen Tagen wurde angekündigt, dass die Darßbahn wieder aufgebaut wird.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Oranienburg

Kommende Events in Oranienburg

zur Homepage