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Bahnwerk-Mitarbeiter fordern Klarheit

Rund 200 der insgesamt 360 Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch vor dem Tor des Bahnwerkes.
Rund 200 der insgesamt 360 Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch vor dem Tor des Bahnwerkes.
Bernd Settnik

Hunderte Angestellte sind wütend. Sie wollen endlich wissen, ob der Standort in Eberswalde eine Zukunft hat. Wenn nicht, hätte das Folgen für die gesamte Stadt.

Viele Bahnmitarbeiter haben ihrem Ärger über die offiziell immer noch ausstehende Entscheidung der Deutschen Bahn (DB) zur Zukunft des Instandhaltungswerks Eberswalde Luft gemacht. Rund 200 Menschen zogen am Mittwoch nach Betriebsratsangaben vor das Werkstor. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kam ebenfalls zu der Kundgebung und sicherte ihnen die Unterstützung des Landes zu. Einem Bericht der „Märkischen Oderzeitung“ zufolge steht das endgültige Aus des Werks schon fest. Ein Bahnsprecher verwies hingegen erneut darauf, dass die Investorengespräche noch laufen würden.

Woidke sagte nach seinem Besuch in Eberswalde: „Das Land wird alles in seiner Macht stehende tun, um das Werk zu retten.“ Er fügte hinzu: „Der Industriestandort Eberswalde muss erhalten bleiben.“

Bahnkonzern soll versagt haben

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte der Bahnkonzern die geplante Schließung des Standortes in Eberswalde bekannt gemacht. Demnach sollten bis Ende 2016 die Lichter in dem traditionsreichen Werk ausgehen. Rund 360 Menschen arbeiten dort. Als Grund für die Schließungspläne wurde ein Rückgang der Instandhaltungsleistungen an Güterwaggons genannt. Später gab es dann Investorengespräche. Ursprünglich sollte Ende Oktober dann feststehen, wie es weiter geht.

Die Grünen-Fraktion im Landtag warf dem Bahnkonzern Versagen vor. Wenn er das Werk nicht mehr betreiben wolle, müsse er es verkaufen, hieß es in einem offenen Brief an die Mitarbeiter.

Hoffnung gibt es noch

Die Beschäftigten setzen nun ihre Hoffnung auf den 11. Dezember, wie der Betriebsrat mitteilte. An dem Tag sei ein Gespräch mit Bahnchef Rüdiger Grube in Berlin geplant. Das Schlimmste sei für viele die Ungewissheit. Die Hängepartie um das Bahnwerk drückt nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg auch auf die Stimmung in der Wirtschaft.

„Die Angst vor Arbeitslosigkeit lähmt die Bahnwerker, aber auch Eberswalde als industrielles Mittelzentrum“, sagte Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke. „Während am Jahresende sonst die gute Geschäftslage das Wirtschaftsleben beflügelt, herrscht in Eberswalde angespanntes Warten.“ Die Stimmung drohe zu kippen. Der traditionsreiche Metallstandort ist in der Vergangenheit wirtschaftlich stark zur Ader gelassen worden: Tausende Arbeitsplätze brachen nach der Wende in den großen Betrieben weg. Statt großer Unternehmen wie Kranbau und Rohrleitungsbau – alle führten den Namen der Stadt in der Firmenbezeichnung – siedelten sich kleine Firmen an. Darunter sind Autozulieferer oder Kunststoffverarbeiter. Seit der Wende schrumpfte die Zahl der Einwohner von 52  000 auf etwa 40 000.