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Bauern sehen Arbeitsplätze durch Tagebaue bedroht

Der Bauernbund lehnt eine Erweiterung des Bergbaus in Südbrandenburg ab.
Der Bauernbund lehnt eine Erweiterung des Bergbaus in Südbrandenburg ab.
Patrick Pleul

Die Landesregierung will an der Braunkohleförderung festhalten. Nicht nur Anwohner, sondern auch Landwirte wehren sich jetzt dagegen.

Der Braunkohleförderung in der Lausitz dürfen aus Sicht des Brandenburger Bauernbundes keine weiteren Dörfer, Äcker und Wälder geopfert werden. „Innerhalb eines Jahrhunderts hat die Lausitz fast ein Viertel ihrer land- und forstwirtschaftlichen Nutzfläche verloren“, sagte der Geschäftsführer des Bauernbundes, Reinhard Jung. Geblieben seien tote Restseen und unfruchtbare Kippen.

Die rot-rote Landesregierung hatte im Juni vergangenen Jahres für die Erweiterung des Tagebaus Welzow Süd gestimmt. Unklar ist angesichts der Verkaufsabsichten des Energiekonzerns Vattenfall, ob es den für 2025 geplanten Ausbau überhaupt geben wird. Rund 800 der knapp 4000 Einwohner von Welzow wären von einer Umsiedlung betroffen. Das seit dem Mittelalter existierende Dorf Proschim würde mit dem neuen Tagebau von der Landkarte verschwinden.

Schädigung der regionalen Wirtschaftsstruktur

Die geplante Vernichtung von rund 1800 Hektar land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche würde die regionale Wirtschaftsstruktur auf unabsehbare Zeit schädigen, kritisierte Jung. „Viele verkennen: Mit Landwirtschaft ist mittlerweile wieder Geld zu machen“, sagte er. Doch durch den Tagebau werde die Produktionsgrundlage von Bauern für lange Zeit vernichtet. Allein durch die geplante Erweiterung in Welzow würden mehr als 80 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gehen.

Nach dem Bergbau blieben Wüstungen zurück, auf denen für Jahrhunderte eine rentable Land- und Forstwirtschaft kaum mehr möglich sei, sagte Jung. „Das ist kein Boden mehr, sondern Unland.“ Erträge, die den Aufwand rechtfertigten, seien von diesen Flächen nicht zu erwarten. Ohne hohe Subventionen würde es dort keine Landwirtschaft mehr geben. „Denkbar wäre dann nur noch eine extrem extensive Tierhaltung vom Helikopter aus wie in der australischen Halbwüste“, sagte er. Wegen der Rutschgefahr wäre ein Betreten der Kippen zudem lebensgefährlich