DÜRREHILFE

Bauernbund: Wenigstens gibt es kein Geld für alle

Angesichts der Ernteausfälle durch den trockenen Sommer, sollte man davon ausgehen, dass Landwirte die angekündigten Dürrehilfen freuen. Der Bauernbund Brandenburg sieht das anders.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Die Landwirte in Brandenburg können jetzt Dürrehilfe beantragen.
Die Landwirte in Brandenburg können jetzt Dürrehilfe beantragen. Sven Hoppe
Potsdam.

Die Landwirte in Brandenburg können jetzt Dürrehilfe beantragen. Der Bauernbund sieht das positiv, sozusagen... „Wahrscheinlich gibt es kein Geld, aber das wenigstens für alle”, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Die Landwirte müssen nicht nur Ernteausfälle nachweisen, sie müssen ihren Bedarf für die Hilfen auch damit untermauern, indem sie ihre Finanzen offenlegen. Heißt: Auch die Gesellschafter der Großbetriebe müssen im Antragsverfahren angezeigt werden.

Das sei der richtige Schritt, teilte Jung mit. So würden die kleineren bäuerlichen Familienbetriebe nicht mehr benachteiligt. Das sieht allerdings nicht jeder Landwirt so. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, kritisierte die Umsetzung der zwischen Bund und Ländern beschlossenen Zahlungen. „Das Verfahren lässt eine schnelle und effektive Dürrehilfe nicht zu”, erklärte er vergangene Woche.

Klöckner stellte 170 Millionen Euro in Aussicht

Die Bauern in Deutschland hatten aufgrund zu geringer Regenfälle und hoher Temperaturen die schlechteste Ernte seit Jahren eingefahren. Im August hatte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) bis zu 170 Millionen Euro Dürrehilfen des Bunds in Aussicht gestellt. Die andere Hälfte des Gesamtbetrags sollen die Länder tragen. Insgesamt sollen 340 Millionen Euro an Bauern verteilt werden.

„Hoffnungen auf Hilfe wurde geweckt und am Ende droht die Verweigerung. Genau dies wird passieren, wenn neben der notwendigen Schadenserfassung umfangreiche, langwierige Vermögens- und Einkommensprüfungen von Betriebsinhabern, Gesellschaftern und deren Familienangehörigen verlangt werden, kritisiert der Landesbauernverband Brandenburg, die andere Interessenvertretung im Land, die Hilfen.

Das ist unbegründet, wies Jung die Kollegen des Landesbauernverbandes ab: „Dass der Verband sich erst beschwert, wenn die Agrargenossen sich nicht mehr arm rechnen dürfen, zeigt doch wunderbar, wessen Interessen er eigentlich vertritt.” Die Klage des Landesbauernverbandes, aufgrund der Regelung wären die Gesellschafter der Großbetriebe womöglich auf Sozialhilfe angewiesen, sei an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, kritisierte Jung.

Bundeslandwirtschaftsministerium weist Kritik zurück

Dürrehilfe gibt es nur, wenn der Ernteertrag auf Acker und Grünland im Betriebsdurchschnitt um mehr als 30 Prozent geringer ist als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Es gibt auch nur dann Geld, wenn der Betrieb ohne Dürre nicht existenzgefährdet wäre.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium wies die Kritik ebenfalls zurück. „Wer wirklich existenzbedroht ist, der ist auch offen für die notwendige Darstellung seiner Bedürftigkeit”, sagte Staatssekretär Hermann Onko Aeikens. Es gehe um öffentliches Geld, das nicht nach Gießkannenprinzip ausgezahlt werden dürfe.

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