KINDERÄRZTE ZU CORONA

Bildung für Kinder ist wichtiger als die Spritze

100 Kinder- und Jugendmediziner haben in Eberswalde über aktuelle Fragen der Corona-Pandemie diskutiert. Es wurde gewarnt. Aber es gab auch positive Nachrichten.
Sollten auch Kinder flächendeckend gegen Corona geimpft werden?
Sollten auch Kinder flächendeckend gegen Corona geimpft werden? Julian Stratenschulte
Eberswalde ·

Die etwa 100 Kinder- und Jugendärzte, die beim Eberswalder Pädiatertag dabei waren, sehen derzeit keinen Grund für eine flächendeckende Impfung von Kindern. Es sei aber positiv, dass die ersten Impfstoffe für Kinder ab 12 Jahren in Bezug auf ihre Zulassungsfähigkeit gründlich geprüft und akzeptiert worden seien, heißt es in einer Pressemitteilung zu dem Ärztekongress, an dem dieser Tage Mediziner aus ganz Deutschland teilnahmen.

Prenzlauer Kinderarzt hat eine klare Meinung

Wie die meisten Referierenden sieht auch der Prenzlauer Kinderarzt Detlef Reichel auf Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung keinen Grund für eine generelle Impfung von Kindern und Jugendlichen. Einem individuellen Wunsch nach einer Impfung komme er hingegen gerne nach. Diese Auffassung decke sich mit den Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ).

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„Es geht jetzt nicht darum, Kindern schnellstmöglich einen Impftermin zu beschaffen, sondern sie dringend wieder an allen alterstypischen Freizeit- und Bildungsangeboten teilhaben zu lassen“, erklärte Dr. Dieter Hüsemans Chefarzt der Kinderklinik Eberswalde und wissenschaftlicher Leiter des Pädiatertags. Professor Hubertus Adam, Chefarzt der Eberswalder Kinder- und Jugendpsychiatrie, appellierte an seine Kollegen: „Kein Kind darf auch nur einen Tag unentschuldigt in der Schule fehlen!“ Aus seiner Sicht haben die Pandemiefolgen zu starken Belastungen für Kinder und Jugendliche geführt.

Verlauf bei Kindern glimpflicher

Es gab aber auch positive Nachrichten von dem Ärztetreffen: Bestätigt wurde, dass Infektionen mit dem SARS-CoV2-Virus bei Kindern nur extrem selten schwere und stationär behandlungspflichtige Erkrankungen zur Folge hätten, wie Dr. Jakob Armann von der Universitätskinderklinik Dresden sagte. Je jünger die Kinder, desto harmloser verlaufe eine Infektion. Die wissenschaftliche Grundlage dazu liefere eine fortlaufende bundesweite Erfassung aller stationär behandelten Kinder und Jugendlichen mit einer Sars-CoV-2-Infektion des Dresdner Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.

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Zudem seien die meisten anderen akuten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter parallel zur Umsetzung der Hygiene- und Isolationsmaßnahmen als glücklicher Nebeneffekt in starkem Maße zurückgegangen. „Darüber hinaus ist seit Pandemiebeginn die Frühgeburtenrate rückläufig“, erläuterte Stationsleiterin Bianka Rösner von der Charité. Als besonders problematisch schilderte sie die Besuchsbeschränkungen, die insbesondere Eltern und Angehörige von sehr kranken Früh- und Neugeborenen stark belastet hätten.

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