HOMÖOPATHIE

Brandenburgs künftige Gesundheitsministerin würde keine Globuli nehmen

Sie ist Ärztin, Grünen-Politikerin in Brandenburg und designierte Gesundheitsministerin. Im Interview spricht Ursula Nonnemacher über künftige politische Schwerpunkte und ihre Probleme mit homöopathischen Behandlungsmethoden.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Ursula Nonnemacher (Bündnis90/Die Grünen) ist designierte brandenburgische Gesundheitsministerin.
Ursula Nonnemacher (Bündnis90/Die Grünen) ist designierte brandenburgische Gesundheitsministerin. Patrick Pleul
Potsdam.

Bei den Grünen in Brandenburg läuft gerade der Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag. Was passiert eigentlich, wenn es am Ende schiefgeht?

Dann hätten wir ein großes Problem. Wir haben als Sondierungsteam ein klares Mandat vom Parteirat gehabt, das Hauptverhandlungsteam hat ein Mandat vom kleinen Parteitag gehabt und die ganze Breite der Partei war in die Verhandlungen eingebunden – von der Europaabgeordneten Ska Keller bis zur Grünen Jugend. Wenn das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit jetzt auf Ablehnung stößt, wäre das sehr bedauerlich. Aber ich bin guter Dinge. Wir sind in stetem Austausch mit der Partei: Es gab Sitzungen des Parteirats und Telefonkonferenzen. Und es laufen Veranstaltungen in den Kreisverbänden, wo fast alle Mitglieder des Hauptverhandlungsteams Gespräche führen, Fragen beantworten und um Unterstützung werben. Dazu kommt der Landesparteitag am Samstag – ich bin optimistisch, dass dem Koalitionsvertrag am Ende zugestimmt wird.

Was haben Sie denn nicht erreicht? Wo haben Sie vor dem Parteitag Magenschmerzen?

Wenn drei Parteien verhandeln, kann sich keine zu hundert Prozent durchsetzen. Ich werbe da auch um Verständnis für den Kompromiss, der ja zum Wesen der Demokratie gehört. Gleichzeitig schmerzt es mich natürlich, dass wir kein Transparenzgesetz und kein Antidiskriminierungsgesetz bekommen haben. Oder, dass es bei der Entkriminalisierung von Cannabis nicht wenigstens einen kleinen Fortschritt gegeben hat. Aber beide Gesetzentwürfe wurden auch von Rot-Rot abgelehnt. Natürlich hätten wir uns auch einen stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien gewünscht. Aber das, was wir jetzt haben, ausgehandelt mit der ehemaligen Braunkohlepartei SPD und einer sehr, sehr windkraftkritischen CDU – ich finde, das kann sich wirklich sehen lassen.

Sofern die Partei zustimmt, werden Sie die nächste Gesundheitsministerin. Ein Thema im Koalitionsvertrag war auch die Finanzierung der Krankenhäuser – hier fordern die Kliniken und die Diakonie das Doppelte der 110 Millionen Euro, die Sie im Koalitionsvertrag vorsehen...

Solche Klagen sind so alt, wie die Länder zuständig für die Finanzierung der Investitionen sind. Es ist richtig, dass die Bedarfe da sehr groß sind. Aber wir haben die Zuschüsse immerhin von einst 80 auf nun 110 Millionen Euro erhöht. Dass das ganze Finanzierungssystem bundesweit auf den Prüfstand gehört, ist ein anderes Thema.

Wie wollen Sie das Land Brandenburg denn für Ärzte attraktiv machen?

Als Grüne haben wir immer gesagt, dass es bei der medizinischen Versorgung nicht nur um Ärzte geht. Fachpersonal wie Pflegekräfte und Hebammen gehört genauso dazu. In Nauen musste der Kreissaal geschlossen werden, weil Hebammen fehlen, in anderen Krankenhäusern gibt es Engpässe, weil Pflegekräfte fehlen. Mir ist wichtig, dass wir die medizinische Versorgung insgesamt betrachten. Der Fachkräftemangel ist hier in allen Bereichen ein Problem.

Das Land Brandenburg bietet angehenden Medizinern ein Stipendium...

Das ist eine Möglichkeit, aber sie ist sehr teuer: 1000 Euro pro Monat und das bei einer sechsjährigen Ausbildung. Das geht ins Geld. Da gilt es auszuwerten, ob Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis zueinanderstehen. Wichtig sind aus meiner Sicht auch die Angebote vor Ort: Finden junge Ärzte gute Arbeitsbedingungen, eine gute Infrastruktur vor Ort und flache Hierarchien vor? Sie müssen sich wertgeschätzt fühlen, damit sie Sinn in ihrer Arbeit sehen. Wir müssen in den Kliniken die Angebote machen, die junge Menschen suchen.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Medizinerausbildung an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) in Neuruppin und Brandenburg an der Havel?

Die MHB hat sich in Brandenburg etabliert, und wir haben sie auch weiter im Blick. Das Konzept des Gesundheitscampus weist ja schon in diese Richtung. Es gibt natürlich auch Überlegungen hinsichtlich einer medizinischen Fakultät in Cottbus, die mit Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz des Bundes entstehen soll. Aber da müssen wir erst einmal sehen: Wie viel Geld kommt eigentlich genau? Eine medizinische Fakultät ist sehr teuer, die Folgekosten für den laufenden Betrieb sind immens. Das muss über den Hochschuletat des Landes abgebildet werden – und es darf nicht zu Lasten anderer Hochschulen gehen. Deswegen brauchen wir ein Gesamtkonzept, das eine staatliche Hochschule in der Lausitz ebenso einschließt, wie die MHB.

In der letzten Legislaturperiode wurde Ihr künftiges Haus vom Lunapharm-Skandal erschüttert. Welche Konsequenzen wollen Sie daraus ziehen?

Zunächst einmal müssen ja alle drei Parteien über den Koalitionsvertrag entscheiden. Aber wenn alles klappt, übernehme ich ein Haus mit vielfältigen Aufsichtspflichten. Das beginnt bei der Medizinüberwachung, geht über den Maßregelvollzug und endet beim Verbraucherschutz, wo es auch um Themen wie Tierschutz und Listerien in der Wurst geht. Es muss generell sichergestellt sein, dass Landesbehörden ihren Aufsichtspflichten gewissenhaft nachkommen.

Braucht es dafür neue Stellen?

Im Zuge des Lunapharm-Skandals hat man ja neue Stellen geschaffen. Mein letzter Stand ist, dass man sich intensiv darum bemüht hat, diese Stellen auch zu besetzen. Aber Pharma-Inspektoren sind hochqualifizierte Fachkräfte, die am Markt rar gesät sind. Die muss man erst einmal finden.

Halten Sie den Standort Wünsdorf, wo diese Mitarbeiter ja arbeiten sollen, auf Dauer für geeignet?

Wie gesagt, gibt es große Probleme, solche Fachkräfte überhaupt zu gewinnen. Das ist bundesweit so. Die in Frage kommenden Leute können wahrscheinlich auch Jobangebote aus anderen Regionen annehmen, die ihnen vielleicht attraktiver erscheinen als Wünsdorf. Hier stößt das berechtigte Interesse an Dezentralisierung der Landesverwaltung auf einen Realitätscheck. Dem werden wir uns stellen müssen.

In Ihrer Bundespartei wird gerade über Homöopathie diskutiert. Wie steht denn die künftige Brandenburger Gesundheitsministerin zu Globuli und alternativen Heilmitteln?

Ich war Ärztin in einem Krankenhaus und habe 26 Jahre in der evidenzbasierten Medizin gearbeitet. Ich habe Verständnis für Patienten, die komplementäre Heilmethoden ausprobieren möchten. Ich selbst bin aber eher wissenschaftlich orientiert: Wenn wir Grüne beim Thema Klimawandel mit den Ergebnissen der Wissenschaft argumentieren, wäre es schwer, das in anderen Bereichen nicht zu tun. Ich halte es deshalb für richtig, Dinge auch zu hinterfragen. Manche Einschätzung kommt da vielleicht etwas zu sehr aus der esoterischen Ecke. Aber wir sollten hier keine Gräben vertiefen und auch keine Glaubenskriege führen. Deswegen ist der Ansatz des grünen Bundesvorstands, das jetzt erst einmal mit Fachgesprächen zu begleiten, aus meiner Sicht ganz richtig.

Wenn Sie selbst krank wären, würden Sie solche Präparate nehmen?

Globuli? Nein.

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