WÖLFE

Brandenburgs Landtag ermöglicht Jagd auf ganze Rudel

Wenn ein sogenannter Problemwolf mehrfach in Viehherden zuschlägt, dürfen Jäger so lange Wölfe schießen, bis keine Tier mehr gerissen werden.
Wölfe in Brandenburg müssen bald sehr auf der Hut sein. Der Landtag will ihren Abschuss erleichtern.
Wölfe in Brandenburg müssen bald sehr auf der Hut sein. Der Landtag will ihren Abschuss erleichtern. Lino Mirgeler
Potsdam ·

Der Brandenburger Landtag will den Abschuss von Problemwölfen erleichtern. Am Donnerstag stimmte das Landesparlament für einen Antrag der Koalition, der die Wolfsverordnung in Brandenburg an das Bundesnaturschutzrecht anpasst.

Wenn Wölfe mehrfach in mit Zäunen und Herdenschutzhunden gesicherten Schaf- oder Rinderherden zuschlagen, sollen Jäger und Landwirte künftig nicht mehr darauf warten müssen, ob der Schaden einem einzelnen Tier konkret zugeordnet werden kann. Vielmehr soll dann „bis zum Ausbleiben von Schäden“ auf jedes Tier des betreffenden Rudels Jagd gemacht werden dürfen.

Ein Wolf frisst 3,5 Kilogramm Fleisch am Tag

„Wir geben den Wolf damit nicht zum Abschuss frei“, sagte der CDU-Landwirtschaftspolitiker Ingo Senftleben. „Was wir wollen, ist ein Nebeneinander von Wolf, Nutztieren, Menschen und Weidetieren.“ Man wolle, dass Wölfe ebenso wie Weidetiere zu den Naturlandschaften gehören. Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick verwies darauf, dass ein Wolf am Tag etwa 3,5 Kilo Fleisch benötige.

Die Kosten der Landwirte für den Wolfsschutz steigen immer stärker, ebenso die Entschädigungen für Wolfsrisse durch das Land. „Ich bedauere, dass es auf Bundesebene nicht geklappt hat, ähnliche Bestandsregulierungen wie in Frankreich und Schweden durchzuführen“, sagte Roick. „Wenn wir nicht regulieren, kann es dazu führen, dass der Wolf an Akzeptanz verliert – wir wollen aber, dass der Wolf in Brandenburg heimisch bleibt.“

„Wo der Wolf wechselt, wächst der Wald.”

Die Grünen-Abgeordnete Isabell Hiekel verwies darauf, dass der Wolf die Förster beim Waldumbau unterstütze. So habe der Wolf das Muffelwild in der Rochauer Heide „entnommen“. „Unter Förstern heißt es: Wo der Wolf wechselt, wächst der Wald.“ Auch die Weidetierhaltung funktioniere, wenn die von Fachleuten empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen von den Weidetierhaltern konsequent umgesetzt werden.

Für die Opposition erklärte der Abgeordnete der Linken, Thomas Domres, dem Antrag zuzustimmen, weil darin unter anderem eine Weidetierprämie gefordert wurde. Sie sei längst überfällig. Die Abgeordnete der Freien Wähler, Christine Wernicke, verwies darauf, dass beim Umgang mit dem Wolf schon zu lange geschlafen worden sei. „Vielerorts sperren Landwirte ihre Tiere wieder ein und hören vollends mit der Tierhaltung auf“, sagte Wernicke. „Das ist ein Desaster auch für das Tierwohl der Weidetiere.“

Nur eine gezielte Bejagung des Wolfes könne die natürliche Scheu der Wölfe wiederherstellen. „Wir werden uns an den Wolf als Nachbar gewöhnen müssen, doch um eine friedliche Koexistenz gewährleisten zu können, müssen wir jetzt handeln“, sagte Wernicke. Die AfD-Fraktion enthielt sich hingegen der Stimme. Die Abgeordnete Kathleen Muxel hatte zuvor von einer „Scheinlösung“ gesprochen und weitere Untersuchungen gefordert.

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