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Den märkischen Alleen droht ein Kahlschlag

Im Frühjahr sorgen blühende Bäume an den Überlandstraßen für einen schönen Anblick.
Im Frühjahr sorgen blühende Bäume an den Überlandstraßen für einen schönen Anblick.
Patrick Pleul

Brandenburg gilt als Land mit den meisten Straßenbäumen. Umweltschützer fürchten, dass es damit in Zukunft vorbei sein könnte.

Ahorn, Linde und Esche: Die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen fürchtet auf lange Sicht um den Baumbestand entlang von Bundes- und Landesstraßen. „Es werden viel mehr Bäume abgeholzt als nachgepflanzt“, erklärte Gemeinschaftssprecher Wolfgang Ewert. Die selbst gesteckte Vorgabe der Landesregierung, insgesamt 30 Kilometer pro Jahr aufzuforsten, werde nicht eingehalten.

Das Infrastrukturministerium bestätigte dies. Es sei nicht mehr so leicht, Flächen von Landwirten anzukaufen. Es würden heute sehr viel größere Flächen benötigt, weil ein Mindestabstand von 4,50 Metern von Alleebäumen zur Straße gilt. Früher war es nur ein Meter. Dazu kommen jetzt noch mindestes zwei Meter von den Bäumen zum Feldbeginn. Daher seien 2014 nur auf 5,1 Kilometern neue Bäume gepflanzt worden, 2013 noch auf rund 21 Kilometern. „Wir halten aber an den 30 Kilometern fest“, betonte Streu.

Naturschutzverbände fühlen sich übergangen

Wenn sich die Bedingungen für ein Nachpflanzen von gefällten Alleebäumen so schwer gestalten, passt es für Ewert nicht ins Bild, dass Behörden kurzerhand ohne Rücksicht auf naturschutzrechtliche Belange Fakten schaffen und abholzen. Immer öfter würde in diesen Fällen der Joker Verkehrssicherheit gezogen, erklärte er. So seien erst kürzlich bei Klosterfelde (Barnim) 80 Linden abgeholzt worden. „Dies ist so schnell geschehen, dass Naturschutzverbände nicht mehr eingreifen konnten“, klagte Ewert.

Dabei räumte der Sprecher der Schutzgemeinschaft ein, dass 70 Prozent aller märkischen Alleebäume schon 70 bis 90 Jahre alt sind und sich dem Ende ihres Lebenszyklus zuneigen. „Deshalb ist ja so wichtig, die Bäume eins zu eins zu ersetzen“, forderte Ewert. Aktuell gibt es
2300 Kilometer Alleen zwischen Elbe und Oder.

Kommentare (1)

Richtig geärgert hat mich die Aussage vom Sprecher der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen, Wolfgang Ewert, den ich eigentlich sehr schätze. Wenn er im Artikel tatsächlich richtig wiedergegeben worden ist und behauptet, dass Alleen "70 bis 90 Jahre alt sind und sich dem Ende ihres Lebenszyklus zuneigen", so ist dies eine Aussage, die den Alleengegnern in die Hände spielt und somit einen Bärendienst leistet. 70 bis 90 Jahre sind kein Alter für gut gepflegte Alleen, schon gar nicht für Linden und Eichen. Wenn die Bäume in dem Alter krank sind, nicht mehr der Verkehrssicherheit entsprechen und gefällt werden müssen, dann liegt es vielmehr daran, dass sie durch viele negative Umweltfaktoren vorgeschädigt sind. Dazu zählen vor allem der Streusalzeinfluss und Anfahrschäden. Jedoch betrifft dies längst nicht alle alte Alleen, besonders nicht solche auf weniger befahrenden Strecken. Die Allee Rüdnitz-Danewitz im Barnim zum Beispiel, die 2006 vor Jahren mit Unterstützung von EU-Fördermitteln einem Kreisstraßenausbau weichen sollte, befindet sich immer noch in einem hervorragenden vitalen Zustand. Auch die besagte, nun vernichtete, hundertjährige Klosterfelder Allee mit 80 Linden in der Prendener Straße war vital, was ja auch von den Naturschutzverbänden und behördlichen Baumschauen der letzten Jahre so beurteilt worden war. FAZIT: Ich appeliere vehement: Die Mitglieder der Naturschutzverbände sollten es zukünftig tunlichst vermeiden, Alleealter und Vitalität in einen funktionalen Zusammenhang zu bringen!!! Nebenbei gesagt habe ich auch Bedenken, dass neue angepflanzte Alleen an stark befahrenen und stark mit Streusalz belasteten Straßen überhaupt das Erwachsenenalter erreichen. Hier ist tatsächlich zu überlegen, ob eine Neuanpflanzung an solchen Strecken überhaupt Sinn macht. Ich würde, wenn ich entscheiden würde, dieses Geld einsparen und für die Neugestaltung von Alleen an Nebenstrecken bzw. in Dorfkernen plädieren. Dr. Andreas Steiner (GRÜNE LIGA Brandenburg, NaturFreunde Oberbarnim-Oderland, Gemeindevertreter Freie Wähler /BKB Schorfheide)