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Die Liebe zu Asien ist mit dabei

Martin Hoeck auf dem Prenzlauer Rathausvorplatz. Zufällig stand an diesem Tag der Bundestags-Infotruck dort. Für den 28-jährigen FDP-Direktkandidaten geht es am 22. September um ein achtbares Ergebnis.
Martin Hoeck auf dem Prenzlauer Rathausvorplatz. Zufällig stand an diesem Tag der Bundestags-Infotruck dort. Für den 28-jährigen FDP-Direktkandidaten geht es am 22. September um ein achtbares Ergebnis.
Oliver Spitza

Die Direktkandidaten für den Bundestag vorgestellt: Der 28-jährige Martin Hoeck geht am 22. September für die FDP im Wahlkreis 57, Uckermark-Nordbarnim, ins Rennen. Er weiß, dass er kaum Chancen hat,kämpft aber um ein solides Ergebnis für die Liberalen.

Martin Hoeck ist chancenlos, und das weiß er auch. Als letztmals ein FDP-Kandidat ein Bundestagsdirektmandat gewonnen hat, war Martin Hoeck fünf Jahre alt. Das ist 23 Jahre her und geschah in Halle, Sachsen-Anhalt. Mit Genscher-Bonus.

Dennoch nimmt der Eberswalder seine Aufgabe ernst. Seit seiner Nominierung im März hat er über 50 Wahlveranstaltungen besucht, 1500 Plakate aufgehängt, 45 000 Flyer verteilt, sechs Wochen unbezahlten „Wahlvorbereitungsurlaub“ genommen. „Ja, ich habe die Sache wohl etwas unterschätzt“, sagt der 28-Jährige freimütig. Wenn er am 22. September abends im Lokal „Probier Mahl“ in der Eberswalder Steinstraße 1 sitzt, will er wenigstens etwas feiern: „Ich möchte bei den Erststimmen besser abschneiden als mein Vorgänger 2009, das waren 6,2 Prozent. Und bei den Zweitstimmen möchte ich mit der FDP die Fünf-Prozent-Hürde überspringen.“ Am Tag darauf wird er wieder wie gewohnt an seinem Arbeitsplatz in Potsdam bei der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung erscheinen.

Bereits am Humboldt-Gymnasium stand nach einem Schülerpraktikum bei einer Notarin der Studienwunsch fest: Jura. „Politische Bildung war mein Lieblingsfach, Kunst und Musik dagegen nicht so mein Ding.“ Das Abitur machte er mit einem Durchschnitt von 1,4.

2004/05 ging es nach Berlin zum Wachbataillon, der Karateka Martin Hoeck (1. Dan) marschierte mit auf, wenn es galt, Präsidenten, Kanzler, Könige zu empfangen. „Immer in der ersten Reihe. Ich sah Putin, Bush jr., die Queen“, erzählt der Obergefreite der Reserve. Im Oktober 2005 startete sein Jura-Studium in Potsdam, nach der Zwischenprüfung wechselte er an die Berliner Humboldt-Uni. Schwerpunkt: Europa- und Völkerrecht. Nach einem Auslandsjahr im Regionalbüro Südostasien der Naumann-Stiftung in Shanghai (China) stand für ihn fest: „Ich möchte nicht Notar oder Richter werden, sondern was Politisches machen.“

Er holte 2006 das Jugendparlament ins politische Leben von Eberswalde  zurück, bekam einen beratenden Platz in den SVV-Ausschüssen, knüpfte Kontakt zu vielen Lokalpolitikern. Angebote bekam er von allen Parteien, auch solchen, die fernab vom Freiheitsgedanken der Liberalen und deren Grundidee der Eigenverantwortung stehen. Am 15. Oktober 2007 wurde Hoeck jedoch Mitglied der FDP („Am 3. Oktober ging nicht, da hat meine Oma Geburtstag“), schon ein Jahr später war er Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen und holte mit der FDP 13,8 Prozent der Stimmen und damit fünf Plätze im Eberswalder Stadtparlament. „Ich habe noch keine Wahl verloren“, meint Hoeck scherzhaft.

Seine (nahe) Zukunft wird dennoch nicht im Bundestag liegen, das weiß er. Seit Oktober 2012 studiert er nochmals, nun Asienwissenschaften an der Humboldt-Uni. „Der Wähler entscheidet, ob ich hier bleibe“, sagt Hoeck mit Augenzwinkern. Er würde gerne einige Jahre für die Naumann-Stiftung ins Ausland gehen, natürlich nach Asien.