Wie lange die Sanierung der maroden Brücke in Fürstenberg dauern wird, ist noch völlig unklar.
Wie lange die Sanierung der maroden Brücke in Fürstenberg dauern wird, ist noch völlig unklar.
Nach den Sommerferien kommt eine weitere Vollsperrung auf der B96 hinzu.
Nach den Sommerferien kommt eine weitere Vollsperrung auf der B96 hinzu.
Beratung an der Schleusenbrücke in Fürstenberg: Das Bauwerk auf der B96 wird ab Ende März für einen noch u
Beratung an der Schleusenbrücke in Fürstenberg: Das Bauwerk auf der B96 wird ab Ende März für einen noch unbekannten Zeitraum für schwerere Lkw und Busse gesperrt. Martina Burghardt
B96

Diese Bundesstraße wird jetzt zur Dauer-Baustelle

Autofahrten zwischen der Seenplatte und Berlin werden zum Zeitspiel. Während es in Fürstenberg schon ab dem Frühjahr hakt, stehen für den Herbst weitere Einschränkungen an.
Neubrandenburg

Ein Unglück kommt selten allein: Erst sorgte Ende vergangener Woche der Landesbetrieb für Straßenwesen in Brandenburg bei der Wirtschaft für einen Schock, als für Ende März für die Schleusenbrücke in Fürstenberg eine Begrenzung des zulässigen Gewichts auf 16 Tonnen angekündigt wurde.

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Reisebusse und Sattelzüge verboten

Damit ist auf der B96 für handelsübliche beladene Sattelzüge ebenso wie für gut besetzte Reisebusse die kürzeste Strecke zwischen der Mitte Mecklenburg-Vorpommerns, der westlichen Uckermark und dem Berliner Ring dicht. Auf Nachfrage ließ das Landesamt noch eine Katze aus dem Sack: Nach den Sommerferien soll nördlich von Oranienburg zwischen Nassenheide und Teschendorf die Fahrbahndecke erneuert werden. Die gut fünf Kilometer lange Strecke werde dann für alle Fahrzeuge voll gesperrt.

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Rätselraten um Brückensanierung

Es könnte daher passieren, dass ab Herbst die B96 mit gleich zwei Verkehrseinschränkungen zur Dauerbaustelle wird. Denn während der Landesbetrieb die Gesamtbauzeit für die neue Asphaltschicht mit elf Monaten angibt, herrscht in Bezug auf die marode Brücke in Fürstenberg großes Rätselraten. Das geht beim für Ende März angekündigten Start für die Tonnagebegrenzung los: Der genaue Termin hänge davon ab, wann ein noch zu beauftragendes Unternehmen die Verkehrssicherung ausführen könne, so Sprecher Stefan Streu. Die Dauer der Lastbegrenzung steht noch in den Sternen. Derzeit würden Varianten geprüft, wie mit den Schäden umgegangen werden müsse. „Ein Ergebnis muss abgewartet werden“, betont er. Für die Brücke bestehe keine Einsturzgefahr, die Begrenzung der Höchstlast diene dazu, die Befahrbarkeit sicherzustellen.

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Nadelöhr für die Wirtschaft

„Jetzt zeigt sich, wie wichtig der bedarfsgerechte Ausbau der B96 ist“, sagt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. Schon die Einschränkungen auf einer einzigen Brücke bringen aus seiner Sicht die gesamte Verbindung in die Bredouille. „Sogar Unternehmen aus Sassnitz haben schon ihren Unmut signalisiert“, betont er. Er verweist auf die inzwischen jahrzehntealte Forderung von Firmen sowie Städten und Gemeinden in MV und Brandenburg, die Strecke als Gesamtpaket zu betrachten und auf Vordermann zu bringen. Jetzt müsse es darum gehen, sämtliche neuralgischen Punkte auf der Route genau zu untersuchen, um weitere Überraschungen wie jetzt in Fürstenberg zu vermeiden.

Vielen Unternehmen liegt auch die demnächst ausgeschilderte Umleitung für die meisten Lkw und Busse schwer im Magen. „Der zusätzliche Weg von 43 Kilometern zeigt doch, dass es in der Region keine brauchbare Alternative zur B96 gibt“, ergänzt IHK-Vizechef Ralf Pfoth. Er fordert schnelle Gewissheit, wie lange die Einschränkungen in Fürstenberg gelten sollen. „Es ist angesichts der hohen Dieselpreise nicht wirtschaftlich und zudem wenig umweltfreundlich, wenn Lkw einen Riesenumweg fahren müssen.“

Erst östliche Variante, nun westliche Umfahrung

Jetzt falle allen Betroffenen der jahrelange Streit um die Ortsumgehung für das Nadelöhr Fürstenberg auf die Füße, betont Pfoth. Erst im vergangenen Jahr hatte Brandenburgs Infrastrukturministerium die Pferde in vollem Galopp gewechselt und war auf eine westlich des Zentrums gelegene stadtnahe Variante der neuen B96 umgesattelt. Das war zuvor von einem Teil der Bürger gefordert worden. Schon in der 1990er-Jahren war der Versuch, eine Ortsumgehung auf der östlichen Seite von Fürstenberg zu planen, kläglich gescheitert. Aber noch immer verstopfen vor allem in den Sommermonaten Tag für Tag lange Fahrzeugkolonnen die Kleinstadt.

Inzwischen arbeiten sowohl in Brandenburg als auch in MV die Behörden an Ausbauplänen für Neubaustrecken und Umgehungen im Zuge der B96. „Das war nicht immer so. Inwiefern hier die Ankündigungen der neuen Bundesregierung etwas bewirken, solche Planungen beschleunigen zu wollen, bleibt abzuwarten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Haasch. „Wir haben vor allem die Erwartung, dass sich die neue Koalition an den geltenden Bundesverkehrswegeplan hält“, stellt er klar. In diesem Strategiepapier steckt ein Termin: Bis zum Jahr 2030 müsste auf allen geplanten Abschnitten mit dem Ausbau der Bundesstraße begonnen worden sein.

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