Hilflose und kranke Tiere

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Eichhörnchen-Auffangstation rettet Nager

Eichhörnchen "Hugo" bekommt Aufbaumittel in der Eichhörnchenpflegestation. 
Eichhörnchen „Hugo” bekommt Aufbaumittel in der Eichhörnchenpflegestation.
Britta Pedersen

Immer wieder geraten Eichhörnchen in Not. In Teltow wird ihnen geholfen – bis sie wieder groß und stark sind und in die Freiheit entlassen werden können.

Mit dem Herbst steigt auch die Zahl der Eichhörnchen an, die Hilfe brauchen: Jungtier „Hugo“ ist eines der rund 50 Hörnchen, die in der Teltower Eichhörnchen-Auffangstation gerettet wurden. Auf dem rund 150 Quadratmeter großen Gelände sollen hilflose Fundtiere und kranke Tiere in Ruhe wieder zu Kräften kommen, ehe sie ausgewildert werden. Hugo, der verletzt eingeliefert wurde, erhält eine Mischung aus Aufbaupräparaten, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern.

Anders als andere Nager fressen sich die hellrot bis braunschwarzen Hörnchen keinen Winterspeck an. Deshalb ist es für sie besonders wichtig, dass im Sommer und Herbst genügend Samen und Nüsse vorhanden sind, damit sie sich Vorräte anlegen können. Experten zufolge war dies auch in diesem Sommer trotz der großen Dürre möglich, sodass die Teltower Station nicht mit einem übermäßigen Ansturm rechnen muss.

Hilfe von Tierschützern

Für Hörnchen Waldo, der kürzlich in die Auffangstation gebracht wurde, hätte es ohne Behandlung dennoch schlecht ausgesehen. Er frisst nicht und wird seit seiner Ankunft mit einer Mischung aus Aufbaupräparaten, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern wieder aufgepäppelt - genau wie "Hugo".

Tanya Lenn ist die Leiterin der Pflegestation und seit 18 Jahren im Einsatz. Die 54-Jährige und ihre Helfer erhalten finanzielle Unterstützung von Spendern. Anders wären die teils kostspieligen Behandlungen nicht möglich. 

Nicht jedes Hörnchen kann ausgewildert werden

Tanya Lenn von der Eichhörnchen-Auffangstation sorgt sich auch wegen der seit einigen Jahren steigenden Anzahl bedürftiger Tiere mit ungewöhnlichen Krankheitsbildern. „Wir konnten beobachten, dass viele Eichhörnchen, die unsere Auffangstation erreichen, sich nicht richtig bewegen können, also Probleme mit der Wirbelsäule und dem Knochengerüst haben“, sagt sie. „Häufig können wir bei der Behandlung nicht auf bereits gesammelte Erfahrungen zurückgreifen. Das ist dann mehr ein Ausprobieren und Herantasten.“

Für Tanya Lenn wird - ob mit oder ohne Nahrungsmangel - die Arbeit wohl nicht weniger werden. Allein schon aufgrund der Konflikte zwischen tierischen und menschlichen Interessen, wie etwa die Geschichte von Griselda zeigt: Das Jungtier hatte Anfang des Jahres mit ihrer Mutter und drei Geschwistern einen Kobel im Baum einer Wohnanlage bewohnt. Als der aufgrund von Bauarbeiten gefällt wurde, zog die Eichhörnchenfamilie auf einen benachbarten Balkon um. Dass dann aber wegen Sanierungsarbeiten noch die umliegenden Balkone abgerissen wurden, gab Griseldas Mutter den Rest. Fortan war sie - wie der Rest der Hörnchen-Familie - auf die Hilfe von Lenn angewiesen.

Griselda ist noch in der Auffangstation. Sie hat Rückenprobleme und große Schwierigkeiten sich zu bewegen. Deshalb bleibt sie auf die Hilfe ihrer Ziehmutter Lenn angewiesen - möglicherweise für immer. Griseldas Mama und ein Geschwisterchen dagegen haben erreicht, was sich Lenn für alle ihre Pflegetiere wünscht. Sie haben es in die Auswilderungsstation geschafft, wo sie sich wieder an das Leben in freier Wildbahn gewöhnen sollen.