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Erinnerung an Afghanistan nahe Potsdam

Verteidigungsministerin von der Leyen und Bundespräsident Gauck (hinten) bei der Einweihung.
Verteidigungsministerin von der Leyen und Bundespräsident Gauck (hinten) bei der Einweihung.
Steffi Loos

Mehr als 100 Soldaten starben bislang bei Auslandseinsätzen, viele von ihnen am Hindukusch. Kameraden errichteten in den Feldlagern Ehrenhaine für sie. Nun gibt es in der Mark eine zentrale Gedenkstätte für im Dienst getötete Militärangehörige.

Sergej Motz, Florian Pauli, Mischa Meier – kleine Bronzetafeln hängen an einer wüstengelben Ziegelsteinmauer im Wald von Schwielowsee bei Potsdam. Sie tragen die Namen von Gefallenen: Deutsche Soldaten, die im Auslandseinsatz ums Leben gekommen sind. In Kunduz hatten ihre Kameraden im Feldlager einen Ehrenhain für sie gebaut. Beim Abzug hat ihn die Bundeswehr demontiert – und in den vergangenen Wochen auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow-Kaserne, dem Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, wieder errichtet.

Nun ist der Ehrenhain von Kunduz ein Teil des „Walds der Erinnerung“ – einer am Wochenende von Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eingeweihten Gedenkstätte für Bundeswehrsoldaten, die im Dienst ums Leben gekommen sind.

Persönliche Erfahrungen der Verteidigungsministerin

„Ich war keine Woche im Amt, da stand ich das erste Mal vor dem Ehrenhain im Feldlager“, berichtet Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. „Es war kalt, die Flaggen der Nationen wehten im Wind, wir beteten mit den Militärseelsorgern. Ich werde den Moment nicht vergessen.“ Für Soldaten im Einsatz seien die Ehrenhaine das emotionale Herzstück jedes Camps, ist die Ministerin überzeugt. Deswegen habe man sie mit nach Deutschland gebracht. „Orte wie dieser, an die sich so authentische Erinnerungen bilden, kann man nicht einfach abbauen wie ein Feldlager“, so die Ministerin. „Sie müssen bleiben.“ Die Gedenkstätte sei ein Versprechen, „dass wir keinen der Männer und Frauen je vergessen, die ihr Leben gelassen haben im Dienst für die Bundesrepublik.“

Neben den Ehrenhainen aus den Feldlagern besteht die Gedenkstätte aus einem Informationszentrum, das die bisherigen Bundeswehr-Auslandseinsätze beschreibt. Es schließt sich ein „Weg der Erinnerung an“, der von gemauerten Stelen gesäumt wird. Auf ihnen finden sich die Namen aller 104 im Auslandseinsatz Verstorbenen.

Ort der Stille für die Angehörigen der Toten

Am Ende gibt es einen „Ort der Stille“, an denen Angehörige in Ruhe ihrer Toten gedenken und ein stilles Gebet sprechen können. Und an den umstehenden Bäumen können Freunde und Verwandte Namenstafeln zur Erinnerung an in Deutschland ums Leben gekommene Bundeswehrangehörige anbringen. Im Gegensatz zum zentralen Ehrenmal der Bundeswehr sei der Wald der Erinnerung ein Ort, der Angehörigen auch als Rückzugsort dienen könne, erklärt Ursula von der Leyen. Sie spricht sich dafür aus, auch öffentlich stärker über die Tragweite des Todes zu sprechen. „Und auch von der Hoffnung, dass wir uns eines Tages wiedersehen werden.“

Zusammen mit der Mutter der auf dem Segelschulschiff Gorch Fock über Bord gegangenen Kadettin Jenny Böken, Marlis Böken, pflanzt die Ministerin eine junge Eiche. „Es ist ein Ringschluss zwischen uns und denen, die uns vorausgegangen sind“, so Böken. „Wir wissen sie in Gottes Armen.“ Der Wald der Erinnerung sei eine völlig neue Form der Trauer, der auch einen Bezug zur Natur habe. „Wo Vögel singen und Maulwürfe ihre Hügel aufwerfen, wächst der Baum der Erinnerung, während der Baum des Lebens gestorben ist.“