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Experimente in freier Natur

Der Anbau von Genmais ist in Brandenburg seit 2009 verboten. Geforscht wird an modernen Gentechniken aber weiterhin. Das ist nicht unumstritten.

Die Gentechnik ruft immer wieder Umweltaktivisten auf den Plan. Auch Forschungsflächen sind umstritten. Foto: Partrick Pleul
Patrick Pleul Die Gentechnik ruft immer wieder Umweltaktivisten auf den Plan. Auch Forschungsflächen sind umstritten. Foto: Partrick Pleul

In Brandenburg wird an zahlreichen Standorten zu den Einsatzmöglichkeiten moderner Gentechnik geforscht. Insgesamt gibt es landesweit über 30 gentechnische Anlagen, wie aus einer aktuellen Liste des Umweltministeriums in Potsdam hervorgeht.

Danach werden die Anlagen insbesondere von Forschungsunternehmen betrieben. Die Firma Bioline in Luckenwalde etwa produziert Enzyme undReagenzien für die Molekularbiologie. Das Unternehmen Celltrend forscht nach eigenen Angaben im Auftrag der pharmazeutischen Industrie. Aber auch das Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF), das Institut für Agrartechnik, das Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau und das Länderinstitut für Bienenkunde unterhalten in Brandenburg gentechnische Anlagen. Hinzu kommen wissenschaftliche Anlagen der Universität Potsdam, der Hochschule Lausitz und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung.

Die Gentechnik ist in Brandenburg nicht unumstritten. Es gibt verschiedene Initiativen gegen deren Anwendung und Erforschung, etwa das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg. Auch der Landtag beschloss im Herbst 2011, dass die märkische Landwirtschaft möglichst frei von Gentechnik bleiben soll. Das Parlament forderte die Regierung aber auch auf, die Erforschung von Chancen und Risiken moderner Gentechnik weiter zu unterstützen – als Experiment auch in freier Natur.

Einen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gebe es in Brandenburg seit 2009 nicht mehr, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Damals hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Anbau von Genmais der Sorte MON 810 des US-Konzerns Monsanto wegen unklarer Risiken verboten. Die Sprecherin des Potsdamer Umweltministeriums verwies gleichzeitig auf die insgesamt sieben gentechnikfreien Regionen in Brandenburg. Sie deckten über 120 000 Hektar Agrarfläche ab und würden von 310 Landwirten getragen – hier sei Brandenburg Vorreiter zusammen mit dem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern.

Forderung nach

deutlicherer Absage

Kritik an der Landesregierung äußerte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Die lange Liste der gentechnischen Anlagen in der Mark zeige, dass Rot-Rot nicht grundsätzlich Abstand von der umstrittenen Gentechnik nehme, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Im Gegenteil: Über 30 Forschungsanlagen seien ein Indiz dafür, dass Gentechnik in der Mark eine erhebliche Rolle spiele. Kruschat forderte die Landesregierung auf, sich deutlicher gegen die Gentechnik zu positionieren, etwa indem man auf ein EU-weites Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen dränge. Auf die sieben gentechnikfreien Regionen zu verweisen, sei dagegen bloß eine „PR-Masche“, meinte Kruschat.

Das Umweltministerium wies dies zurück. Gentechnikfreier Anbau in der Landwirtschaft und gentechnische Forschung und Entwicklung seien voneinander zu trennen, da sie „unterschiedliche Politikfelder“ beträfen, erklärte die Sprecherin. „Rückschlüsse von einem auf das andere wären sinnfrei.“