NACH STICHWAHL

Frankfurt hat ersten Linken-Oberbürgermeister in Brandenburg

„Frankfurt geht besser” lautete der Wahlkampf-Slogan von René Wilke. Jetzt kann der Linken-Politiker beweisen, ob das tatsächlich so ist.
dpa
René Wilke (Die Linke) ist neuer Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder).
René Wilke (Die Linke) ist neuer Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder). Patrick Pleul
Frankfurt (Oder).

Der Linken-Politiker René Wilke ist am Sonntag zum neuen Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) gewählt worden. In der Stichwahl setzte er sich gegen den bisherigen Amtsinhaber durch. Der bisherige Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) erhielt 37,5 Prozent der Stimmen, auf seinen Herausforderer kamen 62,5 Prozent, wie die Stadt mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,7 Prozent. In der Stadt waren knapp 49.000 Menschen zur Wahl aufgerufen.

„Das tolle Ergebnis ist für mich ein Grund zur Freude, und zugleich Verpflichtung, umzusetzen, was wir vorhaben – und Frankfurt tatsächlich besser zu machen”, sagte der Wahlsieger am Abend. Jetzt beginne die eigentliche Arbeit.

Der unterlegene bisherige Oberbürgermeister Martin Wilke sagte: „Es ist, wie es ist.” Er wünsche dem Sieger alles Gute für die kommenden acht Jahre.

Linken können Wahlen gewinnen

Der Linken-Fraktionschef im Potsdamer Landtag, Ralf Christoffers, sagte, das Wahlergebnis strahle über Frankfurt (Oder) hinaus und zeige, dass die Linkspartei Wahlen auch gewinnen könne. Er sei überzeugt davon, dass René Wilke ein Oberbürgermeister für alle Bürger sein könne.

Der Frankfurter CDU-Stadtverordnete und frühere Wirtschaftsminister in Brandenburg, Ulrich Junghanns, kündigte an, mit Wilke im Stadtparlament zusammenarbeiten zu wollen, die Politik der Linken aber nicht zu unterstützen.

Im ersten Wahlgang waren die Kandidaten von CDU, SPD und AfD ausgeschieden. Die Grünen hatten von Anfang an René Wilke unterstützt, der bisherige Oberbürgermeister war als Einzelkandidat angetreten.

Frankfurt (Oder) hoch verschuldet

Die Erwartungen an den neuen Oberbürgermeister sind groß. Im zurückliegenden Wahlkampf spielte das Thema Haushalt eine zentrale Rolle. Wie alle kreisfreien Städte in Brandenburg ist Frankfurt (Oder) hoch verschuldet, der Haushalt für das vergangene Jahr wurde von der Kommunalaufsicht bisher nicht genehmigt. Die knapp 59.000 Einwohner zählende Stadt kann keine Kredite für Investitionen aufnehmen.

Der gebürtige Frankfurter René Wilke gilt schon länger als Nachwuchshoffnung der brandenburgischen Linken. Seit 2014 sitzt der 33-Jährige im Brandenburger Landtag, er holte damals für seine Partei eines von vier Direktmandaten. In seiner Fraktion ist er stellvertretender Vorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher, außerdem ist der im Frankfurter Stadtparlament Chef seiner Fraktion.

Der begeisterte Radsportler ist ledig, hat keine Kinder. Er gilt als redegewandt, bezeichnet sich selbst als „Berufspolitiker”. Wilke ist gelernter Bürokaufmann, hat an der Frankfurter Europa-Universität Viadrina und der Fernuni Hagen Kultur- sowie Politikwissenschaften und Psychologie studiert, allerdings keinen Hochschulabschluss.

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