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Frust über Pannen-Flughafen von der Seele geschrieben

Politisch gesetzte Eröffnungstermine, ständige Änderungswünsche, frisierte Berichte, dialogresistente Geschäftsführer: Ein Jahr nach seinem Rauswurf am Hauptstadtflughafen rechnet Architekt Gerkan ab.

Der Architekt des neuen Hauptstadtflughafens, Meinhard von Gerkan, geht in einem Buch über das Krisenprojekt hart mit den Verantwortlichen ins Gericht. Abermals kritisiert der 78-Jährige die häufigen Planänderungen während der Bauphase und wirft der Politik vor, gegen die Bauleitung Eröffnungstermine nach dem politischen Kalender gesetzt zu haben. „Wir hätten noch mehr Widerstand leisten müssen“, resümiert Gerkan in dem Buch „Black Box BER“, das am kommenden Freitag erscheint. Der Architekt war nach der geplatzten Eröffnung 2012 entlassen worden. Das Magazin „Focus“ veröffentlichte vorab einen Auszug aus dem Buch.

Die Bauherren des Milliardenprojekts – der Bund, Berlin und Brandenburg – haben den Vorwurf wiederholt zurückgewiesen, sie hätten Eröffnungstermine politisch gesetzt. Vier davon sind inzwischen geplatzt, weil der Flughafen wegen Baumängeln, Planungsfehlern und Technikproblemen nicht fertig wird. Gerkans Büro wurde auf Schadenersatz verklagt, ein Teil seiner Architekten sowie Subunternehmen aber längst wieder engagiert.

„Schwarz und Körtgen waren in jeder Hinsicht dialogresistent“, beschreibt Gerkan die Zusammenarbeit mit den inzwischen entlassenen Flughafen-Geschäftsführern Rainer Schwarz und Manfred Körtgen. Diese war demnach geprägt von „überfallartigen Änderungswünschen“ ohne Mitsprache der Architekten, etwa beim Wunsch nach mehr Platz für Läden im Terminal. Schon in der Planung sei das Abfertigungsgebäude „wie ein Blasebalg mal aufgebläht und dann wieder abgeschlafft“. Gerkan wirft den Projektsteuerern vor, sie hätten den Aufsichtsrat vor der geplatzten Eröffnung im Frühjahr 2012 über Warnungen der Architekten in den Bautagebüchern im Unklaren gelassen.

Der Architekt wird anhand des Debakels grundsätzlich: „Bei Großprojekten der öffentlichen Hand werden die Verantwortlichkeiten heute auf viele Schultern verteilt.“ Der Architekt sei nur noch ein „Rädchen im Getriebe“. „Dennoch bleibt er die Gallionsfigur des Gebäudes, und wenn aus politischen Gründen Köpfe rollen sollen, wird nicht lange im Gestrüpp der Verantwortlichkeiten gestochert“, so Gerkan.