PHARMA-SKANDAL

Info-Telefon für Betroffene von gefälschten Krebsmedikamenten eingerichtet

Nach dem Skandal um gestohlene Krebsmedikamente zieht das Gesundheitsministerium erste Konsequenzen. Eine Info-Hotline soll Betroffenen weiterhelfen.
dpa
Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke) ist von dem Skandal erschüttert.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke) ist von dem Skandal erschüttert. Britta Pedersen
Potsdam.

Im Pharmaskandal um gestohlene Krebsmedikamente hat sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erschüttert gezeigt. „Das Vertrauen in unsere Arzneimittelaufsicht und in unser Gesundheitssystem hat durch diesen Vorfall erheblichen Schaden erlitten”, hieß es am Samstag aus der Staatskanzlei.

Die damit verbundene Verunsicherung für Krebspatienten mache ihn sehr betroffen. Eine umfassende Aufklärung habe „oberste Priorität”. Von Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) erwarte er eine „umfassende Aufklärung”, hieß es weiter.

Vor kurzem war bekannt geworden, dass ein Brandenburger Pharmahändler gestohlene Krebsmedikamente mit unklarer Wirksamkeit von einer griechischen Apotheke vertrieben haben soll.

Anrufe kommen aus ganz Deutschland

Bei einem am Freitag eingerichteten Informationstelefon des Gesundheitsministeriums meldeten sich bereits in den ersten Stunden viele Anrufer, wie das Ministerium mitteilte. Es seien durchschnittlich 12 Anrufer pro Stunde, so Ministeriums-Sprecherin Marina Ringel.

Täglich würden zwischen 10 und 16 Uhr Anrufe entgegengenommen. Ein Mitarbeiter der Hotline sagte, Anrufe kämen aus ganz Deutschland. Vor allem wollten die Anrufer wissen, welche Medikamente betroffen sind.

Auf seiner Internetseite veröffentlichte das Ministerium Fragen und Antworten, darunter auch Listen mit den ausgelieferten Medikamenten. Auch neun Bundesländer wurden zwischen 2015 und 2017 laut Ministerium beliefert – darunter Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Ministerium erstatten Anzeige

Die von der Gesundheitsministerin eingeleiteten ersten Maßnahmen seien „wichtige Schritte in die richtige Richtung”, so Woidke. Das Gesundheitsministerium hatte gegen einen Mitarbeiter des zuständigen Fachbereichs Arzneimittelaufsicht Strafanzeige erstattet und ihm die Führung der Dienstgeschäfte untersagt.

Der bisherige Referatsleiter wurde mit einer anderen Aufgabe betraut. Zudem seien Zuständigkeiten im Ministerium neu geordnet worden. Eine Task Force unter der Leitung von Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt soll nun die Vorwürfe aufklären, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Mitarbeiter war wohl bestechlich

Seit Donnerstag werden im Ministerium Unterlagen der Staatsanwaltschaft gesichtet, die seit April 2017 wegen Hehlerei ermittelt. Nach einem Bericht der „Bild” könnte der Mitarbeiter bestechlich gewesen sein. Er sei wegen Korruptionsverdachts angezeigt worden, hieß es dort.

Der Pharmahändler hatte keine Erlaubnis als Großhändler. Bereits im Dezember 2016 hatte es erste Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben. Doch erst im Juni 2017 untersagten Brandenburger Behörden der Firma den Handel mit der Apotheke in Griechenland. Am Freitagnachmittag wurden dem Unternehmen die Betriebserlaubnis sowie die Herstellungs- und Großhandelserlaubnis für Medikamente entzogen.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Potsdam

zur Homepage