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Hilfe per SMS fordern – Fehlanzeige

Die 110 Anrufen ist kein Problem, eine Kurznachricht zu senden allerdings schon.
Die 110 Anrufen ist kein Problem, eine Kurznachricht zu senden allerdings schon.
Sophia Weimer

Allenfalls Gehörlose können die Polizei mit Kurznachrichten erreichen, wenn es darauf ankommt. „Grotesk“, heißt es von Kritikern.

Der Notruf der Brandenburger Polizei ist weder per SMS noch über das verbreitete Programm WhatsApp erreichbar. Im zweiten Fall werde aber geprüft, ob eine Nutzung durch die Polizei zweckmäßig sei, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion erklärte.

Hintergrund war der Fall einer Familie, die sich im Juli im Naturschutzgebiet Döberitzer Heide verirrt hatte. Sie konnte ihre Position nur noch per WhatsApp übermitteln. Weil das Programm auf den Dienst-Smartphones nicht verfügbar war, nahmen die Beamten ein privates Gerät zur Hilfe.

SMS-Notruf nur unter spezieller Nummer

„Es ist grotesk, dass das in dieser Form bei der Polizei nicht möglich ist“, kritisierte der CDU-Abgeordnete Sven Petke. „Da ist die Polizei hinterm Mond.“ Dass auch der Notruf 110 per SMS oder WhatsApp erreichbar ist, hält er für geboten. So ließen sich damit zum Beispiel auch Bilder übertragen.

Zudem gebe es Situationen – so Petke – in denen Bürger nicht ihr Mobiltelefon für einen Anruf zücken wollten, sondern lieber unbemerkt eine Nachricht schicken, etwa bei Pöbeleien oder Übergriffen in Regionalzügen. In Brandenburg gibt es bislang nur eine spezielle Notrufnummer für Gehörlose und Hörgeschädigte, die per SMS erreichbar ist.

Facebook nur für Pressestelle der Polizei

Auch Facebook steht bislang nur wenigen Brandenburger Polizisten offen: Laut Schröter können vier Mitarbeiter der Pressestelle im Polizeipräsidium und der Lagedienst im Einsatz- und Lagezentrum das Netzwerk dienstlich nutzen.

Das brachte Petke noch auf ein anderes derzeit viel diskutiertes Thema: „Wir brauchen eine viel breitere und systematische Herangehensweise, damit im Netz fremdenfeindliche Äußerungen registriert, dokumentiert und seitens der Polizei zur Anzeige gebracht werden.“