36 GRAD UND KAUM REGEN

Hitze in Brandenburg sorgt für Waldbrände und volle Freibäder

Tagelager Stress für die Feuerwehr, kühles Nass für Badegäste: Bei hochsommerlichen Temperaturen brennt es immer wieder in Brandenburgs Wäldern.
dpa
Bei dem bisher größten Waldbrand seit Beginn der Saison kämpften Feuerwehrleute auf einer Fläche von zehn
Bei dem bisher größten Waldbrand seit Beginn der Saison kämpften Feuerwehrleute auf einer Fläche von zehn Hektar bei Bötzow (Oberhavel) gegen die Flammen. Christian Guttmann
Ein Löschhubschrauber der Bundespolizei wirft Wasser über einem brennenden Waldstück bei Bötzow ab.
Ein Löschhubschrauber der Bundespolizei wirft Wasser über einem brennenden Waldstück bei Bötzow ab. Christian Guttmann
Potsdam ·

Das hochsommerliche Wetter hat die Brandenburger am Wochenende schwitzen lassen. Dutzende Feuerwehrleute hatten mit Waldbränden zu kämpfen, gleichzeitig zog es viele Menschen an die zahlreichen Seen, in die Freibäder und auf Paddeltouren. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) berichtete von immer mehr Nichtschwimmern, die sich für Kurse anmelden wollten. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnete am Samstag einen neuen Tagesrekord.

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Mit Temperaturen über 36 Grad und kaum Regen steigt die Gefahr von Waldbränden weiter an, die Feuer lodern auf immer größeren Flächen. Bei dem bisher größten Brand seit Beginn der Saison kämpften Feuerwehrleute seit Freitagabend nach Angaben der Regionalleitstelle auf einer Fläche von etwa acht Hektar bei Bötzow (Oberhavel) nordwestlich von Berlin gegen die Flammen. Die Löscharbeiten dauerten am Sonntag an und sollen nach Angaben des Waldbrandbeauftragten Raimund Engel auch am Montag fortgesetzt werden.

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Der Einsatz der Feuerwehrleute ist gefährlich, die Brandfläche ist nach Angaben des Kampfmittelräumdienstes munitionsbelastet. Es sei bereits zu Explosionen gekommen, sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Experten seien in engem Kontakt mit dem Einsatzleiter vor Ort. Die Feuerwehrleute könnten die Fläche nur von außen löschen. Aufkommender Wind fachte das Feuer an.

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Unterstützung bekamen die Feuerwehren von Hubschraubern der Bundespolizei, die von oben die Glutnester löschten. Am Samstag war ein Hubschrauber im Einsatz, am Sonntag kam ein weiterer hinzu. Ein Hubschrauber der Landespolizei flog mit einer Wärmebildkamera über das Gebiet, um Brandherde auszumachen.

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Zudem gab es landesweit einige kleinere Brände, wie Engel berichtete. Unter anderem brannte es am Freitag in Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) an der Grenze zu Sachsen-Anhalt auf drei Hektar. Die Restlöscharbeiten zogen sich bis in den Samstag. Bei Jerischke (Spree-Neiße) loderte das Feuer auf 1500 Quadratmetern. Engel zeigte sich zufrieden, dass die Waldbrand-Früherkennung funktioniert habe.

In Brandenburg arbeiten zwei Waldbrandzentralen in Zossen (Teltow-Fläming) und Eberswalde (Barnim). Innerhalb weniger Minuten können die Mitarbeiter Informationen über Brände an die jeweiligen Leitstellen in den Regionen weitergeben.

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In den Landkreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Spree-Neiße galt am Sonntag nach Angaben des Umweltministeriums landesweit die höchste Waldbrandwarnstufe fünf. Bis auf Oberhavel und Barnim (Stufe 3) wurde für die restlichen Kreise die Waldbrandwarnstufe vier ausgerufen.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der Samstag der wärmste 19. Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Land. Der wärmste Ort war demnach Baruth (Teltow-Fläming) mit 36,6 Grad, gefolgt von Cottbus mit 36,3 Grad und Potsdam mit 36 Grad. Am Sonntag war Manschnow (Märkisch-Oderland) mit 36 Grad Spitzenreiter, gefolgt von Coschen (Oder-Spree) mit 35,8 Grad. Landesweit gewitterte es am Wochenende kräftig mit Starkregen und Hagel. Allerdings fielen die Niederschläge laut DWD sehr lokal aus.

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Bei der brütenden Hitze suchten viele Brandenburger Plätze am Wasser. Die Freibäder waren einer dpa-Umfrage zufolge sehr gut ausgelastet. So waren das Strandbad im Babelsberger Park und die geduldeten Badestellen im Park und am Heiligen See „rappelvoll”, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Fehlender Schwimmunterricht in der Corona-Pandemie hat die Zahl der Menschen, die nicht schwimmen können, ansteigen lassen. „Eine große Masse an Nichtschwimmern rennt uns momentan die Türen ein und möchte Kurse belegen – das überfordert uns”, sagte der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) des Landes, Daniel Keip, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter kämen an ihre Grenzen.

Alle Rettungsorganisationen und Schwimmschulen versuchten das auszugleichen, doch das werde wegen beschränkter Kapazitäten in den Schwimm-und Freibädern schwierig, bemerkte Keip. Für diesen Sommer will die DLRG in Brandenburg nach eigenen Angaben möglichst viel Schwimmausbildung für Anfänger anbieten. „Die Hitzewelle ist für uns das Warmlaufen auf die Saison, alle drängen an die Strände.” Von den 4000 DLRG-Mitgliedern in Brandenburg sei der Großteil im Einsatz.

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