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Höchststand bei Unterrichtsausfällen in Brandenburg

Trotz neuer Lehrkräfte fallen in Brandenburg täglich Hunderte Unterrichtsstunden aus - so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Nun rächen sich Versäumnisse aus den vergangenen Jahren.
dpa
Die Unterrichtsausfälle in Brandenburg haben im Schuljahr 2016/1017 den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht (Symbolbild).
Die Unterrichtsausfälle in Brandenburg haben im Schuljahr 2016/1017 den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht (Symbolbild). Caroline Seidel
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Potsdam.

Brandenburgs Landesregierung ist vom angekündigten Abbau der Unterrichtsausfälle an den Schulen noch weit entfernt. Statt dessen erreichte die Zahl der ersatzlos ausgefallenen Stunden im abgelaufenen Schuljahr 2016/2017 mit 2,1 Prozent den höchsten Wert seit zehn Jahren, wie das Potsdamer Bildungsministerium auf Anfrage mitteilte.

Um den durch steigende Schülerzahlen, Pensionierungen und Krankmeldungen verursachten Lehrermangel zu mildern, werden immer mehr Seiteneinsteiger eingestellt und nach kurzer Einarbeitung in die Klassen geschickt.

Viele Quereinsteiger

Laut Bildungsministerium mussten die Schüler im vergangenen Schuljahr auf 255.127 Stunden Unterricht verzichten. Mehr als zehn Prozent der rund 12,2 Millionen Pflichtstunden konnten nicht von Fachlehrern erteilt werden. Doch auch die seit 2014 verstärkt eingestellten Seiteneinsteiger können den Bedarf von jährlich 1000 bis 1200 Lehrkräften in den nächsten zehn Jahren nicht decken. „In bestimmten Regionen machen Quereinsteiger in den Grundschulen bereits zwei Drittel aller Neueinstellungen aus”, sagt Brandenburgs Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs.

Knapp zehn Prozent der rund 19.000 Lehrkräfte in Brandenburg sind bereits Seiteneinsteiger. „Ihre Zahl wird in den kommenden Jahren zunehmen, da der Markt leergefegt ist”, glaubt Fuchs. Deshalb sei mit dem Bildungsministerium vereinbart worden, spätestens ab 2019 die bisherige berufsbegleitende 200-Stunden-Schnellausbildung der Seiteneinsteiger durch ein dreimonatiges Qualifizierungsseminar zu ersetzen.

Berlin schnappt die Lehrer weg

Der stellvertretende Sprecher des Landeselternrates, Jan Alexy, hält die Neulinge für eine „Notlösung”, da ihnen die pädagogischen Fähigkeiten häufig fehlten. Vor allem in den ländlichen Regionen müsse mehr getan werden, um Lehrer anzulocken. „Es dauert in Brandenburg auch zu lange, ehe Bewerber nach ihrem Studium eine Zusage für den Schuldienst bekommen”, habe er beobachtet.

Viele Bewerber hätten dann schon in Berlin eine Anstellung, wo ein höheres Einstiegsgehalt lockt. „Die Verbeamtung in Brandenburg allein zieht nicht”, ist Alexy überzeugt. Auch bei der angekündigten besseren Gesundheitsversorgung für Pädagogen gebe es „zu wenig Bestrebungen”.

Die mit der Landesregierung nun vereinbarte höhere Gehaltseinstufung für Grundschullehrer ist nach Ansicht der Lehrerverbände ein richtiger Schritt. „Aber das reicht nicht aus, Arbeitsbedingungen und Motivation der Lehrkräfte zu verbessern”, stellt der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker, klar.

Keine Beförderung in Brandenburg

Für bestimmte zusätzliche Aufgaben der Lehrer sowie für ältere Kollegen müsse es auch Entlastungen geben, fordert der Verbandschef. Im Gegensatz zu anderen Ländern gebe es in Brandenburg für Lehrer keine Chance, als einfacher Beamter befördert zu werden. „Die entsprechende Beförderungsregelung liegt seit 1991 auf Eis”, klagt Stäker.

Da die jetzigen Lehramtsstudenten frühestens in sieben bis acht Jahren in den Schuldienst übernommen werden können, fordern Elternvertreter und Lehrerverbände kurzfristige Lösungen. Dazu gehört die Anhebung der sogenannten Vertretungsreserve für Aushilfskräfte von drei auf mindestens acht Prozent.

Auch an der „Baustelle Gesundheitsmanagement” müsse es bald zu Ergebnissen kommen, um die Arbeitsbelastungen für Lehrer zu verringern, so GEW-Landeschef Fuchs. Auch das neue Besoldungsgesetz müsse rasch beschlossen werden, damit junge Lehrkräfte vor Beginn des Schuljahres 2018/2019 geworben werden können.

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