VETERINÄR-EXPERTE HÄLT KLEINE BAUERNHÖFE FÜR NICHT ZUKUNFTSFÄHIG

Ist die Massentierhaltung alternativlos?

Trächtige Milchkühe beim Schlachter und Kastrationen von Ferkeln ohne Betäubung: Das empört nicht nur Tierschützer.
dpa
Hühner werden oft zu Tausenden gehalten.
Hühner werden oft zu Tausenden gehalten. Patrick Pleul
Berlin.

Der Berliner Veterinär-Experte Reinhard Fries hat bessere Bedingungen in der industriellen Tierhaltung gefordert. „Ich halte allerdings nichts von einem ‚Zurück zu den Wurzeln‘. Der kleine landwirtschaftliche Betrieb ist definitiv nicht die Lösung der Zukunft“, sagte der Direktor des Berliner Instituts für Fleischhygiene und -technologie an der Freien Universität. So lasse sich die Nachfrage nach Fleisch nicht befriedigen. Fries leitet die 14. Fachtagung Fleisch- und Geflügelfleischhygiene in Berlin. Experten wollen sich unter anderem zur Überwachung, Haltung von Nutztieren und der Hygiene austauschen.

Die Bedingungen für alle Tiere in der industriellen Produktion müssten kritisch hinterfragt werden, forderte Fries. Die Haltung in Ställen sei zwar hocheffizient und hygienisch. „Doch wir haben den Tieren nicht genügend in die Augen geschaut“, sagte der Experte mit Blick auf deren Bedürfnisse. Die Landwirtschaft sei mit ihrer hochindustriellen Fleischproduktion möglicherweise in eine Sackgasse geraten. Allerdings könne man die Technik auch nutzen, um neue Entwicklungen anzustoßen.

Millionenfache Kastration ohne Betäubung

Verbesserungswürdig ist aus Sicht des Veterinärmediziners etwa die oft praktizierte Kastration von männlichen Schweinen, um unangenehmen Geruch von Eberfleisch zu vermeiden. „Die Tiere werden verstümmelt. Dürfen wir das?“, fragte der Experte. Mehr als 20 Millionen Ferkeln werden jedes Jahr in Deutschland ohne Betäubung die Hoden herausgeschnitten. Diese Praxis ist erst ab 2019 verboten. In der Geflügelhaltung gebe es häufig das Problem von Entzündungen der Sohlenballen der Tiere. Verursacht werde es, wenn die Einstreu, auf der die Tiere stehen, feucht sei. Durch das Wachstum von Mikroben entstehe Ammoniak, das die Haut angreife.

In Berlin soll zudem das Schlachten trächtiger Tiere diskutiert werden. Bei Milchkühen könne es vorkommen, dass sie trächtig seien. Es sei fraglich, ob das Schlachten dann vertretbar ist.

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