LEBENSMITTELPRODUKTION

Ist Tierhaltung eine Frage der Betriebsgröße?

Die Zustände in riesigen Ställen sind oft grausam. Sie sollen aber nicht der Größe geschuldet sein. Wo fängt Massentierhaltung also an?
Eng beieinander müssen Schweine nicht nur in Industrie-betrieben stehen. Das könnte auch beim Bio-Bauern so sein.
Eng beieinander müssen Schweine nicht nur in Industrie-betrieben stehen. Das könnte auch beim Bio-Bauern so sein. Patrick Pleul
Paaren ·

Für Gudrun Lange war es ein großer Tag. Die Herdenmanagerin der Agrargenossenschaft Frankena wurde auf der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung (BraLa) Paaren im Glien von Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) mit dem Tierzuchtpreis des Landes ausgezeichnet. Ihre 330 Milchkühe starke Herde gehört mit über 10  000 Kilogramm Milch je Kuh zu den leistungsstärksten in Brandenburg. Zugleich engagiert sich die Landwirtin in der Nachwuchsarbeit. „Für mich ist der Umgang mit der Natur, der Umgang mit den Tieren das Schönste, was ich mir vorstellen kann“, sagte Lange.

Doch die Tierhaltung steht in Brandenburg zunehmend in der Kritik. Eine Volksinitiative gegen Massentierhaltung hat seit März mehr als 14  000  Unterschriften gesammelt. Auch die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen legte während der BraLa Listen an ihrem Stand aus. „Viele Tierhalter schenken der tierschutzgerechten Haltung keinerlei Beachtung“, sagte der Fraktionsvorsitzende Axel Vogel.

Tiere sind mehr als nur Lieferanten für Fleisch

„Für deren Gewinninteressen müssen Tiere unnötiges Leid und Qualen hinnehmen. Dabei ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert“, so Vogel. Tiere müssten als Lebewesen angesehen werden und dürften nicht länger nur als Lieferanten von Fleisch, Eiern und Milch ausgebeutet werden. Und der Erfolg der Volksinitiative rief in Paaren sogar Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf den Plan: „Groß ist nicht automatisch schlecht und klein ist nicht automatisch gut“, sagte er. „Auch Biobauern können Großbetriebe haben – und die werden auch gebraucht.“ Nicht die Betriebsgrößen, sondern die Haltungsbedingungen der Tiere seien entscheidend.

Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger kündigte an, dass künftige Förderungen von Stallbauten in der Milchviehhaltung, Schweine- und Geflügelmast an tiergerechte Haltung geknüpft würden. „Als Anreiz, aber auch als Ausgleich erhöhter Kosten für mehr Platz oder mehr Auslauf gewährt das Land eine Premiumförderung von 40 Prozent für besonders tiergerechte Haltung“, so Vogelsänger. Der SPD-Politiker erklärte, dass sich die Förderung für Bio-Betriebe in der kommenden EU-Förderperiode von 115 Millionen auf 178  Millionen Euro erhöhen wird. „Damit stehen für jeden Hektar ökologischen Landbau 210 Euro zur Verfügung.“

Landwirtin gibt der Volksinitiative Gegenwind

„Die, die sich über Massentierhaltung äußern, sollten sich unsere Tierhaltungen mal anschauen“, schimpfte Lange. In großen Anlagen seien die Tiere „garantiert artgerechter untergebracht als in den kleinen dunklen Ställen der Bauern, die nur weniger Tiere haben.“ In Frankena jedenfalls würden die Tiere in großen Laufställen gehalten, kein Tier sei mehr angeleint. „Artgerechte Haltung ist wichtig, aber die Volksinitiative trifft es nicht.“

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