„NOTWEHR”

Jäger schießt Wolf in Brandenburg

In Brandenburg soll ein Jagdgast aus den Niederlanden einen Wolf abgeschossen haben. „Absolut korrekt gehandelt”, heißt es vom Bauernbund Brandenburg. Das ist aber umstritten.
Gerald Bahr Gerald Bahr
dpa
Wölfe sind streng geschützt, der Abschuss kann eine Straftat darstellen. 
Wölfe sind streng geschützt, der Abschuss kann eine Straftat darstellen. Carsten Rehder
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Rädigke.

Wie das Jagd-Portal „Jawina” berichtet, hat ein Jäger in Brandenburg einen Wolf erschossen. Dem Bericht zufolge soll der Vorfall am Rande einer Treibjagd am vergangenen Freitag bei Rädigke (Potsdam-Mittelmark) passiert sein. Kurz nach Beginn habe es Meldungen unter den Jägern gegeben, dass Wölfe in der Nähe seien. Einer soll sogar auf rund zehn Meter an einen holländischen Jagdgast herangekommen sein.

Der Wolf zog „Jawina” zufolge weiter und hat demnach Stöberhunde angegriffen, die eine Rehwildfährte verfolgten. Rufen habe nicht geholfen, der Wolf ließ dem Bericht zufolge nicht von den Hunden ab. Laut jagderleben.de soll es auch einen Warnschuss gegeben haben, der den Wolf aber nicht vertrieb. Der Gastjäger sah keine Chance mehr und erschoss den Wolf. Der Kadaver sei zur Untersuchung abtransportiert worden, nachdem ein Wolfsgutachter vor Ort war, hieß es.

Ermittlungen gegen den Jäger

Nach Zeugenaussagen soll der Wolf die Jagdhunde angegriffen haben, teilte die Polizei mit. Gegen den holländischen Jäger wurde eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Über die weiteren Ermittlungen werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, hieß es weiter. Die Anzeige sollte zeitnah an die Behörde weitergeleitet werden.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigte dem Nordkurier, dass es sich um einen Wolf handelt. Es ist insgesamt der 17., der seit 1990 im Land erschossen wurde. Der Kadaver wurde, wie alle tot aufgefundenen Wölfe, dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung zu weiteren Untersuchungen ergeben, hieß es vom LfU.

Für den Bauernbund Brandenburg hat der Jäger richtig gehandelt. „Der Jäger hat absolut korrekt gehandelt. Gleich ob Jagdhund oder Zuchtkalb – es ist das Recht jedes Tierhalters, besonders wertvolle Tiere in Notwehr gegen angreifende Wölfe zu verteidigen. Der betroffene Jäger hat unsere volle Solidarität”, teilte Bauernbund-Chef Reinhard Jung am Montag mit. Er forderte zudem die Landesregierung auf, 2019 mindestens den Populationszuwachs von mehr als hundert Stück zum Abschluss freizugeben. „Damit die Wölfe wieder lernen, dass sie in der Nähe von Menschen und Viehweiden nichts zu suchen haben.”

Wolfsfreie Zonen gefordert

Der Bauernbund plädiert seit einiger Zeit für wolfsfreie Zonen in Brandenburg. Dazu hatten der Verband unter anderem auch ein Rechtsgutachten durch FDP-Politiker und Anwalt Wolfgang Kubicki erstellen lassen, wann das Abschießen von Wölfen aus Notwehr erlaubt sein soll. Hintergrund waren vermehrte Risse von Weidetieren in Brandenburg.

Die wolfsfreien Zonen sind aber umstritten. Beim Naturschutzbund Nabu stoßen die Vorschläge auf Kritik. „Wolf und Weidehaltung schließen sich nicht aus”, sagte dazu zuletzt Claudia Grünewald, die beim Nabu für Artenschutz zuständig ist. Es sei wichtig, dass umfassende Herdenschutzmaßnahmen bundesweit umgesetzt werden. Bereits jetzt ließen es die Naturschutzregelungen zu, dass vermeintlich auffällige Wölfe entnommen werden. Wölfe sind in Deutschland durch EU-Regelungen und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und unterliegen nicht dem Jagdrecht. 

Das Land Niedersachsen hat Ende 2018 eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht, um das zu ändern. Sachsen und Brandenburg schlossen sich an. Der Bund soll laut Initiative prüfen, wie weit sich Wölfe menschlichen Einrichtungen nähern dürfen. Auch die Möglichkeit, wolfsfreie Bereiche zu definieren, steht auf der Agenda.

Mehr als 1000 Wölfe gibt es nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbands inzwischen bundesweit, sagte Verbandssprecher Torsten Reinwald. Ihre Zahl wachse jedes Jahr um etwa 30 Prozent. „Eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren ist realistisch. Damit nehmen die Konflikte weiter zu”, meinte er.

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