WOLFSFREIE ZONE

Jetzt greifen Bauern zu Notwehr

Vor dem Brandenburger Landtag haben Bauern mit einem toten Tier gegen Wölfe im Land protestiert. Die Polizei brach die Demo allerdings ab.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Diesen Anblick boten die Landwirte bei ihrer Demo vor dem Potsdamer Landtag.
Diesen Anblick boten die Landwirte bei ihrer Demo vor dem Potsdamer Landtag. Erstling
Potsdam.

In Brandenburg ist eine Demonstrationen von Landwirten von der Polizei abgebrochen worden. Die Bauern demonstrierten am Dienstagmorgen gegen die Untätigkeit der Landesregierung, um das Land vor Wolfsrissen zu schützen, wie Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes, schrieb. Doch der Polizei schien nicht zu passen, wie die Landwirte ihren Wolfsfrust abgelassen haben. „Sie wurden daran – trotz angemeldeter Demonstration – durch Polizeieinsatz gehindert”, so Jung.

Ein Grund dürfte ihm zufolge sein, dass die Bauern „die grausame Wirklichkeit” vor Ort zeigten. Sie brachten ein gerissenes Kalb mit zur Demonstration vor dem Landtag. Das zerfetzte Tier wurde beschlagnahmt, als die Polizei die Demonstration abbrach. Einem Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung zufolge hat die Polizei die Demo wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot und das Tierkörperbeseitigungsgesetz abgebrochen. Durch die Ankündigung, dass ein Kadaver gezeigt werden soll, sei die Demo demnach verboten worden.

Der Frust bei den Bauern wurde dadurch nur noch größer, schrieb Jung. „Was für eine Anmaßung gegenüber der Landbevölkerung! Die Politiker sollten sich ruhig mal die zerfetzten Kadaver anschauen, die das angeblich so faszinierende Raubtier zurücklässt. Wer da nur mit den Schultern zuckt und sagt, das sei halt Natur, spuckt uns Bauern direkt ins Gesicht. Wir lieben unsere Tiere. Es wird Zeit, dass wir sie mit der Waffe in der Hand verteidigen.“

Bauernverband will wolfsfreie Zonen

Starke Worte, doch die sind völlig ernst gemeint, denn die Broschüren, Filme und Ratgeber, die es bislang gebe, seien nur Wolfspropaganda. Der Bauernverband verweist daher in seiner Stellungnahme auf die Internet-Seite www.wolfsfreiezone.de. Dort will der Verband Informationen zur Notwehr gegen die Raubtiere veröffentlichen und große Teile des Landes zur wolfsfreien Zone erklären – und das konsequent.

"Überall, wo Menschen und Weidetiere sind, müssen Wölfe konsequent gejagt werden. Nur echte Wildnis darf als Schutzgebiet ausgewiesen werden”, heißt es auf der Seite, die durch den Bauernbund erstellt wurde.

Die Rechtslage ist in solchen Fällen von Notwehr aber schwierig zu bewerten. Er darf deshalb in Deutschland nicht gestört, gefangen oder getötet werden. Ausnahmen kann es für „Problemwölfe” geben, wenn sie Herden reißen oder dem Menschen zu nahe kommen – sie dürfen abgeschreckt oder „entnommen”, sprich getötet werden. Wölfe sind auch durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt.

20 tote Wölfe gefunden

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben seit der Wiederkehr der Wölfe nach Deutschland Probleme mit Rissen durch Wölfe. Unter anderem Landwirte demonstrieren regelmäßig dafür, dass Wölfe bejagt werden dürfen. Erst im April wurden in Brandenburg Tiroler Bergschafe gerissen. Die Folge: Im Forstgut Johannismühle bei Baruth gibt es dadurch diese Art jetzt nicht mehr, teilte der Präsident des Landesjagdverbands, Dirk-Henner Wellershoff, mit.

Ungefährlich leben Wölfe aber auch nicht. Im Wolfsjahr 2016/2017 wurden laut Landesamt für Umwelt in Brandenburg 22 Wolfsrudel und 3 Paare nachgewiesen. Hinzu kommen 5 Gebiete mit unklarem Status. In diesem Zeitraum wurden 20 tote Wölfe gefunden, 13 waren Verkehrsopfer, zwei wurden erschossen, drei hatten andere Todesursachen und bei zwei Tieren ist die Todesursache unklar.

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Kommentare (1)

aber vergesst dabei nicht - der Wolf ist weniger das Problem - vielmehr die Politik