:

Kaum ein Flughafenanwohner ist schon vor Lärm geschützt

In zweieinhalb Jahren soll der neue Berliner Hauptstadt-Airport endlich in Betrieb gehen. Bis dahin seien die rund 25 000 Anlieger wirksam gegen Fluglärm abgeschirmt, verspricht Flughafenchef Mehdorn. Wieso die Betroffenen das nicht glauben.

Im Gegensatz zum Ehepaar Irene und Helmut Schust (im Vordergrund)haben die meisten Flughafenanwohner noch keine Schallschutzfenster.
Patrick Pleul Im Gegensatz zum Ehepaar Irene und Helmut Schust (im Vordergrund)haben die meisten Flughafenanwohner noch keine Schallschutzfenster.

Bis zum Herbst sollen die Anlieger des neuen Hauptstadt-Flughafens die Bescheide für den Lärmschutz ihrer Wohnungen und Häuser bekommen. „Dann haben sie noch gut eineinhalb Jahre Zeit, Lärmschutzfenster und Dämmung einbauen zu lassen, bis der Flughafen 2017 in Betrieb geht“, sagte Flughafenchef Hartmut Mehdorn im Sonderausschuss des
Potsdamer Landtages.

Vertreter der Anwohner bezweifelten dies am Montag: „Da es nur wenige Firmen für diese Schallschutztechnik gibt, ist eine Dauer der Arbeiten von etwa vier Jahren zu erwarten“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer, Peter Ohm. Dies zeige sich auch bei den Anwohnern der Südbahn. Gut zwei Monate vor der geplanten Inbetriebnahme der neuen Bahn sind nicht einmal zehn Prozent der Anwohner gegen den Fluglärm geschützt. Nach dem Bericht der Flughafengesellschaft ist die Lärmdämmung bislang erst in gut 400 der insgesamt rund 4500 Anrainer-Haushalte eingebaut. Knapp 3500 Anwohner hätten aber die Bescheide erhalten und könnten Firmen beauftragen. In den übrigen Fällen könnten die Anträge wegen fehlender Angaben nicht bearbeitet werden.

Der Flugverkehr soll ab Mai während der Sanierung der alten Nordbahn vorübergehend über die neue Südbahn geleitet werden. Vorher müssen aber alle Anwohner, die Anspruch darauf haben, ihre Bescheide bekommen.

Arbeiten kommen nur langsam voran

Auch in den übrigen Gebieten kommen die Arbeiten nur langsam voran: Knapp 19 500 Anwohner haben Anträge gestellt und 11 500, also knapp 60 Prozent, einen Bescheid erhalten. Eingebaut ist der Schallschutz aber erst in rund 2000 Häusern.

Verzögerungen lägen an den komplexen Anforderungen an die Technik, aber auch an Schwierigkeiten mit den Eigentümern über die Ausführung, berichtete der Flughafen-Abteilungsleiter, Ralf Wagner. So wehrten sich Betroffene etwa gegen eine Innendämmung ihrer Räume mit dicken Styroporplatten.

Ohm warf der Flughafengesellschaft dagegen jahrelange Verschleppung beim Schallschutz vor. Bauaufnahmen würden fehlerhaft angegangen und Eigentümern etwa wegen fehlender Raumhöhen Schallschutz verweigert. Mehdorn verwahrte sich gegen die Vorwürfe. „Wir gehen die Anträge mit hoher Energie an“, sagte er. „Und zum Start an der Südbahn haben alle Anwohner, deren Anträge vollständig sind, ihre Bescheide erhalten.“