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Keine zentrale Kinderschutz-Hotline erwünscht

Eine Rufnummer, die Kinder, Eltern oder Lehrer wählen können, wenn schnelle Hilfe gefragt ist? Unnötig, heißt es von der Landesregierung.
Eine Rufnummer, die Kinder, Eltern oder Lehrer wählen können, wenn schnelle Hilfe gefragt ist? Unnötig, heißt es von der Landesregierung.
Patrick Pleul

Beratungsangebote zu sexuellem Missbrauch von Jungen und Mädchen gibt es viele. Finden Betroffene im Notfall die richtige Anlaufstelle? Ja, meint die Regierung, nein die Opposition.

Brandenburgs rot-rote Landesregierung sieht keinen Bedarf für eine zentrale Kinderschutz-Hotline. Es gebe genügend Beratungsangebote am Telefon, per E-Mail oder im Internet, erklärte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion.

Dass für den Kinderschutz so viele verschiedene Ansprechpartner über verschiedene Telefonnummern erreichbar sind, sehen die Christdemokraten dagegen kritisch. „Oftmals wissen Eltern, Lehrer und andere Betroffene nicht, an wen sie sich in einem akuten Fall schnell wenden können“, sagte die familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Kristy Augustin. Sie verwies darauf, dass es in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine zentrale Telefonnummer gebe. „Warum sich die SPD in Brandenburg so anhaltend gegen etwas sträubt, was ihre Parteigenossen in unseren Nachbarländern für selbstverständlich halten, ist und bleibt nicht nachvollziehbar.“

Jugendämter sollen Ansprechpartner sein

Schröter verwies darauf, dass die Jugendämter und die von ihnen beauftragten Träger der Jugendhilfe wie Kinder- und Jugendnotdienste oder Erziehungs- und Familienberatungsstellen zentrale Ansprechpartner seien. Sie würden Notrufnummern im Internet veröffentlichen. Zudem gebe es ein anonymes Online-Angebot der Bundeskonferenz Erziehungsberatung, das von allen Bundesländern finanziert werde. Montags bis samstags stehe von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116  111 eine „Nummer gegen Kummer“ zur Verfügung, erläuterte der Innenminister.

Und über zwei vom Land geförderte Projekte des Diakonischen Werks Potsdam und des Deutschen Kinderschutzbundes Senftenberg würden jährlich mehr als 10  000  Anrufe beim Kinder- und Jugendtelefon registriert. Auch eine E-Mail-Beratung werde angeboten, für die Jugendliche als ehrenamtliche Helfer qualifiziert würden. In Fällen von sexuellem Missbrauch sei ein bundesweites unabhängiges Hilfetelefon beim Bundesfamilienministerium unter 0800 – 22  55  530 anonym und kostenfrei erreichbar, so Schröter.

Die CDU kündigte an, sich weiter für die Einrichtung einer zentralen Kinderschutz-Hotline im Land engagieren zu wollen.