Antisemitische Äußerungen

Kirche streicht Arndt aus ihrem Namen

Eine Kirche in Berlin macht es der Uni Greifswald nach und heißt nicht länger nach Ernst Moritz Arndt. Die Entscheidung war äußerst knapp.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Eine Kirche in Berlin macht es der Uni Greifswald nach und heißt nicht länger nach Ernst Moritz Arndt.
Eine Kirche in Berlin macht es der Uni Greifswald nach und heißt nicht länger nach Ernst Moritz Arndt. Stefan Sauer
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Berlin.

Eine Berliner Kirchengemeinde heißt nicht länger nach Ernst Moritz Arndt: Ähnlich wie zuvor schon die Universität Greifswald beschloss auch der Gemeindekirchenrat der im Berliner Stadtteil Zehlendorf gelegenen Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde, auf die Weiterverwendung des Namens des Theologen und Historikers zu verzichten.

Grund dafür seien antisemitische Äußerungen des 1860 in Bonn verstorbenen Arndt: So hatte er 1814 die Juden als „verdorbenes und entartetes Volk“ bezeichnet. Gleichzeitig ist Arndt jedoch auch Komponist zweier Kirchenlieder, die bis heute im Evangelischen Gesangbuch stehen.

Knappe Merheit für Umbenennung

Die Kirche war seit ihrer Einweihung 1935 nach Arndt benannt. Damals hatten Gemeindevertreter den Namen gewählt, um deutlich zu machen, dass „man sehr wohl gut deutsch und gut evangelisch, Christ und Patriot sein konnte“, heißt es in einem Infoblatt der Gemeinde. Man wollte sich damit gezielt von antikirchlich eingestellten Nationalsozialisten abgrenzen.

Um die Umbenennung der Kirche hatte es in der Folge lange Debatten gegeben. Eine Gemeindeversammlung fand ebenso statt wie Podiumsdiskussionen – am Ende entschied das Leitungsgremium der Gemeinde, der Gemeindekirchenrat, mit der Mehrheit von sechs zu vier Stimmen.

Bischof begrüßt die Entscheidung

Die Benennung einer Kirche und einer Kirchengemeinde nach Arndt sei heute „kaum noch vermittelbar“, erklärte der Gemeindekirchenrat am Dienstag. Bei „allen sonstigen Verdiensten“ sei Arndt wegen seiner „militant-nationalistischen und judenfeindlichen Äußerungen als Vorbild und Namenspatron einer christlichen Gemeinde ungeeignet“.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, begrüßte die Entscheidung der Kirchengemeinde. Die Gemeinde habe sich in einem „intensiven und ernsthaften Prozess“ mit der Geschichte und Tradition ihrer Namensgebung auseinandergesetzt.

„Sie hat in vorbildlicher Weise einen offenen und fairen Diskussionsprozess durchgeführt, der angesichts der Vielschichtigkeit der Fragestellung nicht einfach war“, so Dröge. „Sie hat damit Verantwortungsbewusstsein gezeigt und ein gutes Beispiel für eine angemessene kirchliche Entscheidungskultur gegeben.“

Kommentare (1)

ob AMA den nichts mehr bedeutet. Seit 1935 und auch nach 1945, in der Zeit der alten Bundesrepublik gab es keine Einwände. Jetzt aber! Hat euer Pastor aus Rücksicht schon das Kreuz abgenommen? Die ev. Kirche vermodert und stirbt aus dem Inneren heraus! Gott mit uns!