Alkohol im Unterricht
Krankenkasse lehnt Trinkexperimente an Schulen ab

Die Zahl der Jugendlichen im Nordosten, die aufgrund eines Vollrausches behandelt werden mussten, ist zuletzt stark angestiegen. Wie man damit umgeht, ist umstritten.
Die Zahl der Jugendlichen im Nordosten, die aufgrund eines Vollrausches behandelt werden mussten, ist zuletzt stark angestiegen. Wie man damit umgeht, ist umstritten.
DAK-Gesundheit/Wigger

„Lieber schlau als blau”: Die Landesregierung in Brandenburg will Schülern im Unterricht Alkohol verabreichen. Eltern sind empört. Jetzt distanziert sich auch die erste Krankenkasse.

Anfang der Woche meldeten sich mehrere empörte Eltern aus der Uckermark beim Nordkurier. Ihre Kinder hatten aus der Schule ein Stück Papier mitgebracht, auf dem die Eltern durch ihre Unterschrift ihr Einverständnis zu einem Schulexperiment der besonderen Art geben sollten. Denn im Rahmen des Alkohol-Präventionsprogramms „Lieber schlau als blausollten Eltern ihre Einwilligung dazu geben, dass Lehrer den Schülern im Unterricht kontrolliert Alkohol verabreichen dürfen.

Nach Nordkurier-Informationen ist das Trinkexperiment Teil eines Projektes zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol, das in den neunten Klassen teilnehmender Schulen in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten für Suchtprävention des Landes Brandenburg stattfindet. In der neunten Klasse sind die meisten Schüler 14 oder 15 Jahre alt.

DAK: Kinder sind keine Versuchskaninchen

Das Experiment verärgerte nicht nur viele Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder auf Abstinenz erziehen. „Erst sollen wir unsere Kinder über die Schäden, die Alkohol und Drogen verursachen, aufklären – und jetzt wird ihnen schon in der Schule der Alkohol von Lehrern angeboten”, sagte eine empörte Mutter dem Nordkurier.

Mittlerweile geht auch die erste Krankenkasse auf Distanz zu dem Präventionsprojekt der Landesregierung. „Das Trink-Experiment lehnen wir strikt ab, weil Kinder keine Versuchskaninchen sind”, sagte Stefan Poetig, Sprecher der DAK in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, dem Nordkurier.

„Das probeweise trinken könnte gefährlich sein, da niemand die Wirkung von Alkohol auf die Minderjährigen einschätzen kann”, so Poetig weiter. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Schüler animiert würden, dieses Trink-Experiment dann auch privat ohne Aufsicht und Kontrolle durchzuführen.