Waldbrand bei Jüterbog

Kreis Teltow-Fläming ruft Katastrophenfall aus

Das Feuer bei Jüterbog ist größer als die Waldbrände im vorigen Jahr – der Landkreis hat jetzt den Katastrophenfall ausgerufen. Wieder gibt es Probleme mit Munition im Boden.
dpa
Zwei Feuerwehrmänner löschen in der Nähe von Frankenförde bei Jüterbog im Wald Glutnester.
Zwei Feuerwehrmänner löschen in der Nähe von Frankenförde bei Jüterbog im Wald Glutnester. Christoph Soeder
Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt in Frankenförde Löschwasser auf.
Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt in Frankenförde Löschwasser auf. Christoph Soeder
Tino Gausche (l-r), Kreisbrandmeister Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Die Linke), Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, und Axel Sander, amtierender Leiter der Polizeiinspektion Teltow-Fläming, bei einer Pressekonferenz zur Lage im Waldbrandgebiet bei Jüterbog.
Tino Gausche (l-r), Kreisbrandmeister Teltow-Fläming, Kornelia Wehlan (Die Linke), Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, und Axel Sander, amtierender Leiter der Polizeiinspektion Teltow-Fläming, bei einer Pressekonferenz zur Lage im Waldbrandgebiet bei Jüterbog. Christoph Soeder
Seit Tagen tobt der Waldbrand in der Nähe von Jüterbog.
Seit Tagen tobt der Waldbrand in der Nähe von Jüterbog. Julian Stähle
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Jüterbog.

Es ist der größte Waldbrand in der Mark seit Jahrzehnten - größer noch als die Brände im vorigen Jahr: Seit Anfang der Woche brennt es auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Teltow-Fläming), südlich von Berlin. Mittlerweile hat sich das Feuer nach Angaben der Stadt auf einer Fläche von mehr als 800 Hektar ausgebreitet. „Wir müssen sehr, sehr wachsam sein, der böige Wind erschwert zusätzlich die Brandbekämpfung“, sagte Kreisbrandmeister Tino Gausche. Am Mittwochabend hatte es noch auf einer Fläche von 600 Hektar gebrannt.

Weil der Brand schwerer zu löschen ist als bislang angenommen, hat der Landkreis Teltow-Fläming am den Katastrophenfall ausgerufen. Kreisbrandmeister Tino Gausche sprach von einer „einmaligen Dimension“ des Brandes. „Das hatten wir so noch nie“, sagte Gausche am Donnerstag. Normalerweise liegt der ehemalige Truppenübungsplatz im Verwaltungsgebiet von Jüterbog und die Stadt hatte seit Anfang der Woche auch die Einsatzleitung bei dem Großberand. Das Ausmaß sei aber inzwischen so groß, dass die Stadt das nicht mehr leisten könne, sagte eine Sprecherin der Stadt am Donnerstag. 

Für Orte in der Nähe der Waldbrände im Landkreis Teltow-Fläming besteht nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit keine akute Gefahr. Das betreffe sowohl den Brand bei Jüterbog in der Nähe der Orte Frankenförde und Felgentreu als auch einen anderen Brand bei Altsorgefeld.

Unterstützung aus Prignitz, Oberhavel und Cottbus

Die Feuerwehrleute sind nach Angaben von Gausche rund um die Uhr im Einsatz, aktuell sind 150 Feuerwehrleute mit etwa 25 Fahrzeugen vor Ort. Unterstützt werden sie auch vom Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk. Im Laufe des Donnerstags soll Hilfe von anderen Landkreisen kommen, darunter aus der Prignitz, aus Oberhavel und Cottbus. Auch drei Löschhubschrauber sollen eingesetzt werden – zwei der Bundespolizei waren bereits in den vergangenen Tagen im Einsatz.

Ein dritter Hubschrauber der Bundeswehr hat am Donnerstagmorgen seinen Einsatz begonnen, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen, wie die Luftwaffe mitteilte. Der CH53-Hubschrauber trage einen Löschbehälter „Smokey“, aus dem 5000 Liter Wasser abgelassen werden könnten. Die Luftwaffe war um Amtshilfe gebeten worden.

Auf dem Gelände wurden U-Boot-Munition und Torpedos erprobt

Gefährlich sei die Situation für die Einsatzkräfte vor Ort, sagte der Bürgermeister von Jüterbog, Arne Raue, am Donnerstag. Untersuchungen hätten ergeben, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz verschiedene Munition erprobt worden sei, darunter U-Boot Munition und auch Torpedos. „Wir wissen, dass wir alle möglichen Chemikalien in der Erde haben, wir wissen aber nicht, wie sie miteinander reagieren.“ Raue forderte deshalb den Einsatz von Meßtechnik, um die Sicherheit der Feuerwehrleute gewährleisten zu können.

Der ehemalige Truppenübungsplatz von etwa 9000 Hektar wurde von 1864 bis 1992 militärisch genutzt: Während der Kaiserzeit, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten bis zur Gegenwart wurde Munition aller Art abgefeuert. Blindgänger blieben einfach liegen, alte Kampfmittel bilden mittlerweile eine dicke Schicht im Erdboden, sagte Raue. In den vergangenen Jahrzehnten verrotteten sie und wurden damit unberechenbar. Ein Betreten des Geländes ist undenkbar und könnte tödlich enden. Die Einsatzkräfte können deshalb nur von speziell geschaffenen Wegen aus, die dauernd bewässert werden, den Brand löschen.