INTERESSANTES PROJEKT IN SCHWEDT

Künstler lassen sich von Bildern aus DDR-Zeit anregen

Die Schwedter PCK Raffinerie hat vor der Wende Hunderte Gemälde von berühmten DDR-Künstlern in Auftrag gegeben. Jetzt lassen sich Kreative aus zehn Ländern davon animieren, selbst aktiv zu werden. Was ist zu erwarten?
Roswitha Flöter präsentiert eine der vielen Malereien in der PCK Raffinerie.
Roswitha Flöter präsentiert eine der vielen Malereien in der PCK Raffinerie. Matthias Bruck
Schwedt.

Nicht die Natur des Unteren Odertals wird es sein, durch die sich die Teilnehmer der diesjährigen internationalen Schwedter Künstlerwerkstatt inspirieren lassen, sondern die Kunst. Genauer gesagt, das Verhältnis von Wirtschaft, Politik und Kunst zu DDR-Zeiten. „Wir haben unseren Fundus geöffnet und etwa 100 Bilder digitalisiert, die wir den Künstlern als Datei zur Verfügung stellen. Sie können sich damit auseinandersetzen und aus der Beschäftigung mit diesen Bildern heraus neue Kunstwerke kreieren“, kündigt die Sprecherin der PCK Raffinerie GmbH Vica
Fainor an. Vom 14. bis 25. Juli werden zehn Künstlerinnen und Künstler aus den Niederlanden, den USA, Polen, Deutschland und Großbritannien zu Gast beim Schwedter Kunstverein sein und dessen Galerieräume als Atelier nutzen können.

„Im Mittelpunkt unseres Interesses steht nicht in allererster Hinsicht die Auseinandersetzung mit der DDR-Kunst und ihrem nicht unproblematischen Verhältnis zur damaligen Macht und Politik, sondern die Frage, ob diese Kunstwerke uns auch heute noch etwas zu sagen haben“, erläutert sie. Die Idee, das traditionelle Schwedter Pleinair, das seit Mitte der 1990er Jahre stattfindet, mit diesen Inhalten zu füllen, entstand bereits 2011. „Damals kamen britische Künstler zu uns, beschäftigten sich mit unserem Kunstschatz und entwickelten aus diesen Bildern Collagen, die sie dann in einer Ausstellung in London zeigten. Das war damals ein großer Erfolg“, erinnert sich PCK-Mitarbeiterin Roswitha Flöter.

Keine Firma hatte zu DDR-Zeiten so viele Kunstwerke gesammelt

PCK verfügt über den größten Fundus an Auftragskunst, den je ein Unternehmen der DDR gesammelt hat. 400 Arbeiten lagern im Fundus oder sind auf den Fluren, in der Kantine oder den Büros des Verwaltungstrakts zu sehen. Künstler, unter ihnen solche namhaften wie Eberhard Hückstädt, Franz Nolde oder Lea Grundig, begleiteten den Aufbau der Raffinerie und der Stadt Schwedt in den 1960er Jahren, sie malten die Industrielandschaften, porträtierten die Mitarbeiter des Unternehmens über die ganze Zeit der DDR hinweg und schufen so eine künstlerische Reflexion der sozialen Entwicklung in der Oderstadt. Viele der Arbeiten gehorchten natürlich der staatlichen Kunstdoktrin des sozialistischen Realismus. Dahinter gibt es doch aber auch immer wieder unverstellte Blicke auf die Realität zu entdecken.

„Ich bin gespannt auf die Arbeiten, die wir nun durch die neuerliche Beschäftigung damit sehen werden. Es gibt keine Vorgaben, welche Art von Kunstwerken entstehen sollen“, sagt Fainor. Die Öffentlichkeit wird die Werke ab dem 25. Juli in der Galerie am Kietz sehen können. Das Pleinair endet mit der Vernissage einer Ausstellung, in der die entstandenen Arbeiten gezeigt werden.

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