Betroffen sein von den Streichungsplänen könnten auch Züge der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft (HANS).
Betroffen sein von den Streichungsplänen könnten auch Züge der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft (HANS). NK-Archiv
Verkehr

Land plant Bahn-Kahlschlag in der Prignitz

Zwei Regionalbahnlinien im Norden Brandenburgs fehlen im neuen Nahverkehrsplan – und das ist offensichtlich Absicht. Betroffen ist vor allem Pritzwalk.
Potsdam

Legt Brandenburg in den nächsten Jahren doch noch Bahnlinien still? Während die Landespolitik über die Reaktivierung stillgelegter Strecken debattiert, sind die in der Prignitz verkehrenden Regionalbahnlinien RB 73 und RB 74 im Entwurf des Landesnahverkehrsplans, den Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) am Dienstag der Presse vorstellte, in ihrer bestehenden Form nicht mehr enthalten.

Abschnitt Kyritz-Pritzwalk fehlt im Plan

Den Planen zufolge sind für die RB 73 demnach zwar durchgehende Züge nach Berlin geplant – aber nur auf dem Abschnitt von Kyritz-Am Bürgerpark bis Neustadt (Dosse). Die Strecke von Kyritz nach Pritzwalk, die heute von der „Hanseatischen Eisenbahn“ mit mehreren Zugpaaren am Tag bedient wird, fehlt. Und auch die Linie RB74 von Pritzwalk nach Meyenburg, die im Saisonverkehr bis nach Mecklenburg-Vorpommern verlängert wird, findet sich nicht im Entwurf für den Landesnahverkehrsplan.

Wie die Sprecherin des Potsdamer Infrastrukturministeriums, Katharina Burkardt, auf Nachfrage erklärte, laufe der bestehende Verkehrsvertrag für die Linien RB73 und RB74 im Dezember aus. Zur Trassensicherung seien die Fahrpläne entsprechend des Status Quo zur Anmeldung gebracht worden. „Auf Basis der gemeinsamen Abstimmungen MIL/Landkreise/VBB wird derzeit ein Vergabeverfahren für den daran anschließenden Zeitraum (Prignitz 6) vorbereitet, das aber auch abhängig von noch offenen Entscheidungen in Mecklenburg-Vorpommern ist.“

Nur die Nebenbahnen in der Prignitz fehlen

Doch andere Strecken, bei denen in den nächsten Jahren Verkehrsverträge auslaufen und Ausschreibungen vorbereitet werden müssen, finden sich selbstverständlich im Entwurf des Landesnahverkehrsplans. Nur die Nebenbahnen in der Prignitz fehlen.

Tatsächlich hing die Existenz der Strecken von Neustadt nach Pritzwalk und weiter nach Meyenburg immer schon am seidenen Faden. Zuletzt hatten sich im vergangenen Jahr die Linken mit einer „Kleinen Anrfrage“ nach der Zukunft der Bahnlinien erkundigt: Damals hieß es, bis zum vierten Quartal 2021 werde ein Betriebskonzept vorliegen.

„Das Ministerium muss schnell eine Lösung für die Bahnlinien finden“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Brandenburger Linken, Andreas Büttner. „Die Bahnlinien in der Prignitz müssen auch 2023 weiter betrieben werden.“ Sollten die Strecken stillgelegt werden, würde die Prignitz weiter abgekoppelt. Generell bräuchten auch Fahrgäste Planungssicherheit: „Wer heute auf den ÖPNV umsteigen soll, muss sich sicher sein, dass die Angebote auch nächstes Jahr noch existieren.“

zur Homepage