AUS FÜR SCHWEDTER FIRMA

Letzter Tapeten-Hersteller im Osten macht dicht

Tapetenwechsel liegt bei den Deutschen nicht mehr im Trend. Wände werden heute eher gestrichen. Nun muss auch der letzte ostdeutsche Hersteller in Schwedt dicht machen. Die Branche zeigt sich dennoch zuversichtlich.
dpa
Heutzutage werden die Wände in neu gebauten Wohnungen nur noch selten tapeziert. Das sorgt mit dafür, dass der letzt
Heutzutage werden die Wände in neu gebauten Wohnungen nur noch selten tapeziert. Das sorgt mit dafür, dass der letzte Tapetenhersteller Ostdeutschlands aufgeben muss. Oliver Stratmann
Schwedt.

Als letzter ostdeutscher Tapetenhersteller stellt die Brandenburger Tapeten Schwedt GmbH (BTS) zum Jahresende die Produktion ein. Insgesamt sechs Mitarbeiter verlieren dadurch ihre Arbeit, wie Betriebsstättenleiter Eckhard Rütz mitteilte. „Wir waren so stolz, dass es uns überhaupt noch gegeben hat“, sagte Rütz, der seit 2012 den Betrieb leitet und mit der Schließung in Rente geht. Seinen fünf Mitarbeitern will er nun bei der Job-Suche helfen. Im Jahr 2001 zählte die Firma noch etwa 40 Mitarbeiter.

Nachfrage ständig gesunken

Seit der Wende hätten unter anderem ostdeutsche Unternehmen in Coswig, Rüdersdorf und Ammendorf bei Halle dicht gemacht, sagte Rütz. „Der Markt ist kaputt, die Nachfrage ist ständig gesunken“, erklärte er die Gründe der Schließung. Zudem werde auch nicht mehr so viel tapeziert. Die Qualität der Farben sei besser geworden und auch der Geschmack bei der Wohnungsgestaltung habe sich geändert.

Seine Firma habe in den vergangenen Jahren andere Konzepte versucht. Beispielsweise seien spezielle Aufträge für Kunden unter anderem in Spanien, Skandinavien, China und Frankreich angenommen worden, erklärte Rütz. Das habe aber nicht gereicht.

In Neubauten wird meist gestrichen

Dass in Deutschland weniger tapeziert wird, berichtet auch Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeteninstituts, das dem Verband der Deutschen Tapetenindustrie angegliedert ist. In Neubauten werde überwiegend gestrichen und auch die Räume seien größer als früher. „Ein Trend geht zu weiß und schlicht, das schmerzt auch andere Branchen.“ Zudem gebe es in den Wohnungen kaum noch Kohleöfen und geraucht werde auch eher draußen, so dass die Tapete nicht so häufig gewechselt werde.

Seinen Angaben zufolge erzielte die Branche im Jahr 2017 mit 65 Millionen Rollen noch einen Umsatz von 290 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr ging die Menge um zehn Prozent zurück, der Umsatz sank um sechs Prozent.

Tapezieren geht einfacher als früher

Brandt zeigte sich dennoch zuversichtlich. Der Trend gehe zu hochwertigen Design-Mustertapeten und weg vom Massenprodukt. Zudem sei Tapezieren heute viel einfacher, sagte Brandt. Die Tapeten bestünden aus Vließmaterial. Das sei stabiler als reines Papier und könne leicht an die Wand geklebt und wieder abgelöst werden.

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