UNFALL AUF A2

Lkw-Fahrer muss für Tod zweier Feuerwehrleute in Haft

Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel, als der schreckliche Unfall geschah. Zwei Feuerwehrmänner starben. Der Unfallverursacher wurde nun verurteilt. War er eingeschlafen?
dpa
ARCHIV – 04.12.2018, Brandenburg, Brandenburg an der Havel: Ein Feuwehrmann wartet im Amtsgericht auf den Prozessbeginn.
Foto aus dem Dezember 2018: Ein Feuwehrmann wartet im Amtsgericht auf den Prozessbeginn. Vor dem Landgericht Potsdam begann damals der Berufungsprozess gegen den LKW-Fahrer, der im September 2017 in eine Unfallstelle raste und dadurch den Tod zweier Feuerleute verursachte. Bernd Settnik / Archiv
Brandenburg.

Ein Lastwagenfahrer, der übermüdet in eine Unfallstelle gerast ist und den Tod von zwei Feuerwehrleuten verursacht hat, ist am Dienstag zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht zeigte sich in einem Berufungsprozess davon überzeugt, dass der 58-Jährige am Steuer eingeschlafen ist.

„Der Angeklagte hat infolge von Fahrlässigkeit einen schrecklichen Unfall verursacht, bei dem zwei Menschen starben“, sagte Richterin Ulrike Phieler-Morbach. Er habe sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung strafbar gemacht.

Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt

Das Landgericht Potsdam setzte damit die im ersten Urteil vom Amtsgericht Brandenburg/Havel verhängte Strafe von zweieinhalb Jahren herab. Die Strafe wurde am Dienstag nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Laut Gutachten war der Mann mit seinem Sattelzug am frühen Morgen des 5. September 2017 auf der Autobahn 2 in Brandenburg in eine Unfallstelle gerast. Dabei rammte er zunächst ein Polizeiauto und stieß dann gegen ein Feuerwehrfahrzeug. Der schwere Wagen kippte um und begrub zwei Feuerwehrmänner unter sich. Die beiden 23 und 38 Jahre alten freiwilligen Helfer starben noch an der Unfallstelle. Ein weiterer Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. Nach Angaben des Lkw-Fahrers waren es nur noch wenige Kilometer bis zu seinem Ziel.

„Die Strecke war lang und langweilig”

„Der Unfall lässt sich nur so rekonstruieren, dass der Angeklagte infolge von Übermüdung eingeschlafen ist“, sagte Richterin Phieler-Morbach. „Die Strecke war lang und langweilig, immer gleich.“ Da der 58-Jährige seinen Tempomat eingeschaltet hatte, sei seine Aufmerksamkeit noch weniger gefordert gewesen. Doch die Müdigkeitszeichen hätte er wahrnehmen müssen, sagte die Richterin. „Der Angeklagte hätte genügend Möglichkeiten gehabt, sich für ein kurzes Schläfen hinzustellen und auszuruhen.“

Zur Bewährung hätte das Gericht die Strafe nur dann aussetzen können, wenn es davon hätte ausgehen können, dass der Angeklagte die vom Gericht durch das Urteil ausgesprochene Warnung ernst nehme. Da er aber zum ersten Prozess am Amtsgericht Brandenburg/Havel mit dem Auto gekommen sei, obwohl ihm sein Führerschein bereits entzogen worden war, sei dies offensichtlich nicht der Fall. „Der Angeklagte hatte vom Gericht gerade die Anklage gehört und wusste, dass die Angehörigen da sind“, sagte Phieler-Morbach. Dennoch habe er die „Unverfrorenheit“ besessen, vor ihren Augen in sein Auto zu steigen.

Angehörige der Getöteten nicht zufrieden mit Urteil

Dass zwei Menschenleben mit zwei Jahren Haft abgedeckt werden, sei aus Sicht der Angehörigen nicht befriedigend, sagte der Anwalt einer Nebenklägerin nach der Urteilsverkündung.

Die Berufung gegen das erste Urteil hatten sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft eingelegt. In ihrem Plädoyer hatte der Staatsanwalt drei Jahre und drei Monate Haft gefordert. Einige Nebenkläger forderten vier Jahre Haft. Die Verteidigung hatte auf Bewährung plädiert.

Angeklagter mehrfach mit Tempo-Verstößen aufgefallen

Besonders, dass der Angeklagte zuvor bereits mehrmals wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgefallen war, wiege zu seinen Ungunsten, so die Richterin. Zwar habe er seine Reue und sein Mitleid in seinen letzten Worten ausgedrückt. Doch der Tod der beiden Männer als Folge des Unfalles würden schwer wiegen. „Beide Getöteten hinterlassen Angehörige, für die der Tod ein schwerer Schicksalsschlag ist.“

Zum Prozess vor dem Landgericht waren neben den Angehörigen der beiden Verstorbenen auch mehrere Feuerwehrleute gekommen. Der Tod der beiden Feuerwehrmänner hatte große Betroffenheit und eine Diskussion um die finanzielle Absicherung freiwilliger Helfer ausgelöst. Rückwirkend zum 1. Januar 2017 erhalten Hinterbliebene von freiwilligen Feuerwehrleuten im Todesfall nun dieselben Leistungen wie bei Mitgliedern der Berufsfeuerwehr. Gegen das Urteil ist die Revision zugelassen.

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