Demonstration

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Mehr als 30.000 Demonstranten fordern Agrarwende

Als Kühe verkleidet nahmen auch Katharina (l) und Carolin aus Hannover an der Demonstration für eine Agrarwende teil.
Als Kühe verkleidet nahmen auch Katharina (l) und Carolin aus Hannover an der Demonstration für eine Agrarwende teil.
Paul Zinken

Wie kann die Landwirtschaft umweltschonender werden? Bei einem großen Protestzug in Berlin trommeln Tausende gegen Riesenställe und Chemie auf den Äckern.

Mehrere Tausend Menschen haben parallel zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin für eine grundlegende Wende zu mehr Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft demonstriert. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ zogen am Samstag nach Veranstalterangaben mehr als 30.000 Teilnehmer durch das Regierungsviertel. Begleitet von Dutzenden Traktoren forderten sie von der künftigen Bundesregierung ein Verbot des Unkrautgifts Glyphosat und Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel. Bei einer Agrarministerkonferenz in Berlin bekannten sich Vertreter von 69 Staaten zu einer weltweit besseren Tierhaltung.

Auf Transparenten bei der Demonstration stand: „Kein Schwein braucht Tierfabriken“, „Wir haben's glyphosatt“, oder „Ohne Bienen ist kein Staat zu machen“. Der Zug, zu dem 150 Bauern mit ihren Traktoren gehörten, führte auch am Bundeswirtschaftsministerium entlang, in dem die Minister tagten. „Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt“, sagte Jochen Fritz, Sprecher der 100 Organisationen, die zur Demo aufgerufen hatten. Zu den Unterstützern gehörten „Brot für die Welt“, der Tierschutzbund sowie die Umweltverbände Nabu und BUND.

Höhere Standards bei der Tierhaltung

Das Demonstrationsbündnis forderte mehr Tempo beim Umsteuern hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft. Nötig seien dafür auch mehr Geld für bessere Ställe, Pflicht-Kennzeichnungen zur Haltungsform, ein Verbot besonders wichtiger Antibiotika in der Tiermast und ein fairer Agrarhandel. Exportorientierung und Landkonzentration weltweit seien zu überdenken, sagte Fritz. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: „Es gibt gute Gründe, die Dinge zu verändern: Artensterben, Grundwasserverschmutzung und Billigexporte nach Afrika.“

Die internationale Agrarministerkonferenz unterstrich das Ziel höherer Standards bei der Tierhaltung, die stärker zum Klimaschutz beitragen solle. Für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung müsse die Produktion ausgebaut werden, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) als Gastgeber. In der globalisierten Welt dürften das Tierwohl und Folgen für Umwelt und Klima aber nicht vernachlässigt werden. Die Abschlusserklärung nennt als Instrumente unter anderem verstärkte Forschung und den Erhalt von Weideflächen.

Kommentare (2)

Die Landwirtschaft hat ihre Seele verloren. Sortenreines Getreide, wo früher Millionen von Wildkräutern in den Feldern ganze Scharen von Singvögeln ernähren konnten. Fremdsaat kostet Strafe! Selbst die schmalen Randstreifen an den Getreidefeldern werden neuerdings sorgfältig gemäht. Maisfelder so weit das Auge reicht: eine bei uns erst nach dem Krieg angebaute Kulturpflanze aus Amerika, wertlos für unsere Insekten! Wiesen, die fünf mal im Jahr gemäht werden, verunmöglichen bodenbrütende Vögel. Güllewagen und Mineraldünger auf Teufel komm raus. Die Zeiten, in denen die Bauern mit der Natur zusammenlebten sind vorbei. Die modernen Landwirte beutet sie aus. Wettbewerbsdruck infolge sinkender Weltmarktpreise machen sie zunehmend selbst zu Getriebenen. Sie müssen ihre Kosten senken: größer und effizienter werden, noch mehr düngen und spritzen.

Damit beweist Herr Christian Schmidt einmal mehr deutsche Führungsqualitäten.