FELDHASEN

Mit Scheinwerfer und Kamera auf „Hasenjagd”

Im Auftrag des Deutschen Jagdverbandes suchen einige Jäger derzeit Feldhasen. Finden sie welche, zücken sie aber nicht etwa die Flinte, sondern Nachtsichtgerät und Wärmebildkamera.
dpa
Uwe Grünack (links) und Sascha Ferres, beide Jäger, sitzen in der Nacht in ihrem Auto bei einer Zählung von Fel
Uwe Grünack (links) und Sascha Ferres, beide Jäger, sitzen in der Nacht in ihrem Auto bei einer Zählung von Feldhasen. Patrick Pleul
Einmal durchzählen bitte, heißt es im Frühjahr und Herbst regelmäßig für interessierte Jä
Einmal durchzählen bitte, heißt es im Frühjahr und Herbst regelmäßig für interessierte Jäger. Patrick Pleul
Der Feldhase wird im Volksmund auch Meister Lampe genannt.
Der Feldhase wird im Volksmund auch Meister Lampe genannt. Patrick Pleul
Eberswalde ·

Langsam fährt der Jeep über Feldwege durch die Dunkelheit in der Nähe des Flughafens Berlin-Brandenburg. Jäger Uwe Grünack sitzt am Steuer, sein Kollege Sascha Ferres hat auf der Beifahrerseite das Fenster geöffnet und leuchtet mit einem starken Scheinwerfer 100 bis 150 Meter weit nach rechts. Das Licht gleitet über Brachland, Wiesen, Wintergetreide- oder Raps-Äcker. Viele Rehe tauchen dabei auf, ein Fuchs und auch einige Feldhasen, auf die es die beiden Waidmänner aus dem Landkreis Dahme-Spreewald abgesehen haben.

Doch sie zücken nicht etwa die Flinte, sondern Nachtsichtgerät und Wärmebildkamera. Sie zählen und tragen die entdeckten Hasen sorgsam in eine Tabelle ein. Die Langohren sind von anderen Tieren in der Dunkelheit gut zu unterscheiden. Ihre das Licht des Scheinwerfers reflektierenden Augen erstrahlen markant orangefarben. „Wir freuen uns über jedes Hasen-Exemplar, denn in Brandenburg gibt es ja nicht so viele”, erklärt Grünack, der sich an dem Monitoring des Deutschen Jagdverbandes bereits seit zehn Jahren beteiligt.

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Bestand der Feldhasten in Brandenburg

Die Anzahl der Feldhasen stagniere in der Mark auf niedrigem Niveau, bestätigt Grit Greiser vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. 5 bis 6 Tiere lebten durchschnittlich auf 100 Hektar, der bundesweite Durchschnitt liege bei 14. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen etwa sei der Besatz weitaus höher.

„Dort wird Landwirtschaft kleinflächiger als in Brandenburg geführt, mit unterschiedlichen Fruchtarten. Die Landschaft ist abwechslungs- und strukturreicher. Der für die Mark typische großflächige Anbau von Raps oder Mais ist nichts für den Hasen”, sagt die Forstwissenschaftlerin. Die sich von Wildkräutern ernährende Tierart bevorzugte Feld- und Waldränder oder Wiesen, ergänzt Jäger Grünack. „Wenn die Äcker aber keine Ränder mehr haben, weil bis an den Straßen- oder Waldrand gepflügt und bestellt wird, finden Hasen dort nichts”, erklärt er.

Zudem sei Brandenburg sehr waldreich und Feldhasen bevorzugten offene Landschaften, sagt Jan Engel vom Brandenburger Landeskompetenzzentrum Forst. „Zudem mögen sie es warm und trocken, da sind andere Regionen Deutschlands besser dran”, sagt er.

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Nicht viele Jäger machen mit

Bei Greiser laufen die Fäden des Brandenburger Feldhasen-Monitorings zusammen, das ihren Angaben nach bereits seit 1997 läuft. Das bundesweite Wildtierprojekt zum Feldhasen sei erst vier Jahre später gestartet. „Wir haben 30 Referenzgebiete unterschiedlicher Größe. Sie werden von 20 bis 25 Jagdpächtern betreut”, sagt sie. In den nördlichen Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Uckermark oder Barnim, wo es mehr Brachen und Feldsäume gebe sowie Raubwild stärker bejagt werde, gebe es durchaus 25 Feldhasen je 100 Hektar, sagt sie.

Nur die wenigsten Kollegen würden beim Hasenmonitoring mitmachen, bedauert Waidmann Grünack: „Es ist aufwendig, kostet Zeit und du hast keinen direkten Jagderfolg.” Ihn aber fasziniere diese Bestandsaufnahme. Mehr über das Vorkommen der Feldhasen zu wissen, sei einfach spannend.

Zweimal im Frühjahr und zweimal im Herbst zählt der 57-Jährige jeweils eine Nacht lang die Feldhasen in seinem insgesamt 540 Hektar großen Revier, dass er für die nächtliche Tour halbiert. Anders wäre die Zählerei nicht zu schaffen, erklärt er. „Hasen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie kommen erst nach Sonnenuntergang raus auf die Felder. Tagsüber hingegen drücken sich die Tiere an den Boden, so dass sie nur schwer zu entdecken sind”, erklärt Forstwissenschaftlerin Greiser.

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Beliebtes Hasen-Jagdrevier

13 Feldhasen entdecken Grünack und Ferres in dieser Nacht in ihrem Revier und sind damit ganz zufrieden. „Unsere beste Ausbeute waren mal 21 Tiere, das liegt aber schon Jahre zurück”, erinnert Grünack. In den 1960er und 1970er Jahren sei die Gegend ein beliebtes Hasen-Jagdrevier gewesen, erzählt er. „Damals kamen Offiziere der russischen Streitkräfte, die in Wünsdorf stationiert waren, gern her.” Geschossen hat er seinen letzten Hasen vor mehr als zehn Jahren, Kollege Ferres hingegen hat noch nie auf Meister Lampe gezielt.

Gejagt werden dürfen die Tiere in Brandenburg durchaus, bestätigt Anja Sibilski, Sprecherin des Landesjagdverbandes. „Da es aber so wenige Exemplare gibt, wird der Feldhase verschont. Wir Jäger verzichten also freiwillig.” Zur Strecke gebracht würden die Tiere eher durch Krankheiten oder den Straßenverkehr, ergänzt Greiser. Im Jagdjahr 2019/20 wurden demnach insgesamt 2477 Feldhasen erlegt, knapp 2000 davon waren „Unfallopfer”.

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Die zum Niederwild gezählte Tierart gehöre in ein intaktes, gut besetztes Revier, erläutert Sibilski. Jäger würden gezielt Gehölze anpflanzen, in denen die Tiere Deckung fänden. Auch sprechen sie mit Landwirten, damit sie an den Feldrändern Blühstreifen und Hecken anlegen. „Hasen sind ein Indiz für intakte Landschaften. Deswegen dokumentieren wir die Daten, als Grundlage für politische Entscheidungen”, erklärt Greiser.

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