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Nach Massenerkrankung bitten Caterer zum Vorkosten

Teurer, aber auch besser und gesünder soll das Schulessen werden.
Teurer, aber auch besser und gesünder soll das Schulessen werden.
Steffen Trumpf

Vor rund einem Jahr lösen mit Viren verseuchte Erdbeeren schwere Gesundheitsprobleme unter Berliner Schülern aus. Der Preisdruck ist zu groß, die Qualität des Essens dementsprechend schlecht. Das soll sich jetzt ändern.

Kaum zurück aus den Herbstferien, beginnt für einige Berliner Schüler ein spannendes Projekt. Sie bilden gemeinsam mit Elternvertretern sogenannte Testjurys fürs Schulessen und können buchstäblich vorkosten. Die Eltern müssen deshalb mehr für die Mahlzeiten bezahlen, aber nur so lasse sich die Qualität auch steigern, hatten die Caterer vorgerechnet. Was sie demnächst auftischen wollen, wird nun probiert. Den Auftakt sollen heute die Grundschulen in Marzahn-Hellersdorf machen, sagte ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung.

Das Schulessen ist spätestens seit Herbst 2012 ein sensibles Thema in der Hauptstadt. Damals waren mehrere tausend Berliner Kinder durch die Mahlzeiten an ihren Schulen an Brechdurchfall erkrankt. Ursache waren Tiefkühlerdbeeren-Lieferungen aus China, die mit Noro-Viren verseucht waren. Seitdem hat die Senatsbildungsverwaltung angekündigt, für mehr Qualität auf den Tellern der Schüler zu sorgen.

Mehr Geld für mehr Qualität

Das Land Berlin bezuschusst zu einem Drittel die Mahlzeiten, deren Festpreis künftig von 1,98 auf 3,25 Euro steigen wird. Die Eltern müssen dadurch 37 statt bisher 23 Euro im Monat für die Schulverpflegung berappen. Auch das Land hebt seinen Zuschuss deutlich von 10,4 Millionen Euro auf 19,5 Millionen Euro an. Für den höheren Preis sollen die Caterer bessere und gesündere Nahrungsmittel bieten. Die Senatsverwaltung schreibt etwa einen bestimmter Anteil von Frischobst und Gemüse pro Mahlzeit vor. Zudem müssen mindestens 15 Prozent des Angebots aus ökologischer Produktion kommen.

Die Testjurys erfüllen einen wichtigen Zweck, sagt Sabine Schulz-Grewe, Leiterin der „Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung“. Die Einrichtung war 2002 als unabhängige Initiative von Eltern gegründet worden, um die Verpflegungsangebote an Grundschulen zu verbessern. „Im Vergleich zu vorher ist das eine große Chance“, betont sie mit Blick auf das neue Mitspracherecht von Eltern und Kindern. Die drei- bis sechsköpfigen Gremien sollen Menüs von unterschiedlichen Caterern vorkosten, wobei jede Schule eine eigene Jury haben wird.

Das Urteil der Testjurys hat Gewicht: Zu 50 Prozent bildet es die Entscheidungsgrundlage bei den Schulämtern. Von Februar 2014 an sollen diese dann mit der Auslieferung der Gerichte an die Berliner Schulen beginnen können.