NACH FREMDENFEINDLICHEN ÜBERGRIFFEN

Neonazi-Schläger müssen in den Knast

In einem Kino riefen mehrere Männer noch „Sieg Heil“ und schwenkten die Reichskriegsflagge. Auf dem Parkplatz gingen sie danach auf einen Ausländer los.
Dagmar Simons Dagmar Simons
Das Landgericht Neuruppin lehnte die Berufung der Männer ab.
Das Landgericht Neuruppin lehnte die Berufung der Männer ab. Bernd Settnik
Prenzlau.

Sie wollten nicht ins Gefängnis: Deshalb hatten Andy B. und Martin M. aus Pasewalk gegen das Urteil des Prenzlauer Amtsgerichts Berufung eingelegt. Die beiden Männer sollen am 4. November 2015 in Prenzlau dabei gewesen sein, als ein Flüchtling aus Eritrea zusammengeschlagen wurde. Dafür hatte das Amtsgericht im vergangenen Jahr Andy B. wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten, Martin M. wegen Beihilfe zu einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Ohne Bewährung.

Das Landgericht Neuruppin entschied nun darauf, die Berufung zu verwerfen. Die Richter änderten das erste Urteil nur insoweit ab, dass bei beiden Angeklagten wegen der überlangen Verfahrensdauer jeweils zwei Monate als vollstreckt gelten. Die Staatsanwaltschaft wollte, dass Martin M. als Mittäter und nicht als Gehilfe anzusehen ist. Dem folgte das Gericht auch nicht.

Hitlergrüße, Reichskriegsflagge und Angriff auf Migranten

In der Tatnacht hatten sich fünf Männer, darunter die Angeklagten, entschieden, in Prenzlau ins Kino zu gehen. Es lief die Hitler-Satire „Er ist wieder da“. Während der Vorführung offenbarte die Gruppe ihre Gesinnung, in dem sie den Hitlergruß zeigte, „Sieg Heil“ riefen und die Reichskriegsflagge schwenkten. Bis auf Marcel L., der die Gruppe chauffiert hatte, waren alle alkoholisiert. Nach der Vorstellung gingen sie zurück zum Auto, wo sie noch eine Zigarettenpause einlegten, als ihnen der Eritreer Solomon Y. auf einem Fahrrad entgegenkam. Einer der Gruppe, Sebastian H., warf eine Bierflasche in die Richtung des Radfahrers, sodass dieser ins Straucheln kam. Sebastian H., Andy B. und Martin M. liefen dann zu dem am Boden liegenden Mann.

Nach Aussage eines Zeugen hatte Sebastian H. zugeschlagen, die beiden anderen hatten nur dabeigestanden. Ein anderer Zeuge log ersichtlich vor Gericht. Er muss nun selbst mit einem Verfahren wegen falscher uneidlicher Aussage rechnen. Er blieb dabei, nichts von der ganzen Sache, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgespielt hat, mit bekommen zu haben.

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