Hier verschweißt ein Asylbewerber aus Somalia in Fürstenwalde ein Stahlsegment für einen Windradturm. Er wurde
Hier verschweißt ein Asylbewerber aus Somalia in Fürstenwalde ein Stahlsegment für einen Windradturm. Er wurde in der Region ausgebildet. (Archivbild) Patrick Pleul
Fachkräftemangel

Ost-Firmen setzen auf mehr Bildung und Zuwanderung

Die Corona-Pandemie, Chipmangel, höhere Energiekosten – das bremst auch die Unternehmen in Ostdeutschland aus. Dazu kommt der Mangel an Fachkräften, der kein neues Problem ist.
dpa
Potsdam

Kleine und mittelgroße Unternehmen in Ostdeutschland halten mehr Aus- und Weiterbildung sowie Zuwanderung für entscheidend gegen den Fachkräftemangel und fordern mehr staatliche Unterstützung. „Die Auftragsbücher von IT-Dienstleistern sind voll, von Neueinstellungen in diesem Bereich können unsere Mitgliedsunternehmen meist nicht mal träumen“, sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände Ostdeutschlands und Berlin, Burkhardt Greiff, am Mittwoch in Potsdam. Die Politik müsse die Aus- und Weiterbildung unterstützen. Bei der Gewinnung von Fachkräften über Zuwanderung müsse eine „überbordende Bürokratie“ hinterfragt werden. Er warnte davor, dass der Mangel an geeigneten Kräften ein Haupthemmnis für den Neustart nach der Corona-Krise wird.

Die Ampel-Koalition will mit einer liberaleren Einwanderungspolitik dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Die neue Koalition hat sich vorgenommen, in diesem Bereich liberaler zu sein“, sagte der geschäftsführende Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der per Video zugeschaltet war. Heil wies auf das Gesetz zur Einwanderung von Fachkräften hin, das es seit 2020 gibt. SPD, Grüne und FDP wollen das Recht erweitern. Aber: „Die schönsten Ideen für qualifizierte Zuwanderung nützen nichts, wenn wir nicht ein Land sind, dass Menschen auch willkommen heißt, die wir gebrauchen können.“

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Nicht nur Master, auch ein paar Meister

Heil forderte auch, dass die berufliche Ausbildung attraktiver werden müsse. „Dieses Land braucht nicht nur Master, es braucht auch ein paar Meister.“ Berufsschulen sollten digital gut ausgestattet sein.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält eine engere Zusammenarbeit untereinander und mehr Selbstbewusstsein für nötig. „Wir müssen uns noch stärker untereinander vernetzen“, sagte Woidke. Das sei etwas, „das wir von Wessis immer noch lernen können“. „Wir sind auch noch nicht ausreichend selbstbewusst im Auftreten.“

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) forderte eine größere Fokussierung auf Zukunftsbranchen wie die Gesundheitstechnik. „Ich glaube, da müssen wir ganz anders diese Berufe vermitteln, dann haben wir auch dort eine Chance, tatsächlich die jungen Menschen zu begeistern.“ Er nannte es einen Fehler, dass in der Vergangenheit stark auf das Abitur als Bildungsweg gesetzt worden sei. Auch mit dualer Ausbildung komme man zu konkurrenzfähigen Lebensperspektiven. Nötig sei auch, besser den „Spurwechsel“ von Flüchtlingen hin zu Fachkräften hinzubekommen.

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Mehr Professionalität bei der Mitarbeitersuche

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft empfahl kleinen Unternehmen in einer Studie im Oktober eine professionellere Personalarbeit, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Häufigste Gründe für Verbesserungsbedarf seien fehlendes Fachwissen und fehlende Finanzmittel.

Mehr als 100 Unternehmer trafen sich beim Ostdeutschen Unternehmertag in Potsdam – die meisten in Präsenz. Die Interessengemeinschaft ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss regionaler Verbände, der die Interessen von rund 22.000 Unternehmern, Handwerkern, Selbstständigen und Freiberuflern der klein- und mittelständischen Wirtschaft vertritt.

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