ES GEHT VORAN

Pannen-Flughafen ein bisschen eröffnet

Das neue Cargo Center am BER ist fertig. Weil gute Nachrichten am neuen Flughafen selten sind, wird die Eröffnung mit Pomp gefeiert – und es gibt neue Termine.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Matthias Platzeck
Matthias Platzeck während der Einweihung des neuen Cargo Centers des Flughafens Berlin Brandenburg. Bernd Settnik
Schönefeld.

Eine Blaskapelle spielte, die Sonne schien. „Es ist ein ausgesprochen schöner Tag“, freute sich Ministerpräsident Matthias Platzeck. Auf der Lkw-Fläche vor dem Cargo Center des Berliner Großflughafens waren Tische aufgebaut, und festlich gekleidete Menschen freuten sich, dass am Pannen-Airport endlich einmal etwas vorangekommen zu sein schien. Das über eine Kapazität von bis zu 100 000 Tonnen Luftfracht pro Jahr verfügende Cargo Center des Flughafens wurde offiziell eingeweiht. „Ein wesentlicher Meilenstein für den Flughafen“, sagte Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Ein Teilstück auf dem von ihm angestrebten Weg der schrittweisen Inbetriebnahme – wir erinnern uns: „Alles was betriebsbereit ist, werden wir auch in Betrieb nehmen.“

Womit sich die Flughafengesellschaft beim Cargo Center freilich hinreichend Zeit gelassen hat. Denn schon am 19. April 2012 hieß es in einer Pressemitteilung: „Rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg am 3. Juni 2012 wurde heute das neue Cargo Center von der Dietz AG als Investor an die Kunden übergeben.“

Fertig war das 12 000 Quadratmeter große Gebäude also schon vor mehr als einem Jahr. Doch am Großflughafen sind Symbolhandlungen derzeit ganz offensichtlich wichtig. „Wir waren bislang viel mit dem beschäftigt, was nicht geht“, sagte Platzeck in seinem Grußwort zur Eröffnung. „Das ändert sich jetzt.“ Natürlich benutzte Platzeck auch bei der Eröffnung des Cargo Centers sein mittlerweile hinreichend bekanntes Bild von dem „Zug, der Fahrt aufgenommen hat“.

Festgeklopft wurden auch weitere Termine: Im August werde sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mit den Plänen einer teilweisen Eröffnung des Flughafens beschäftigen, im Oktober gehe es um einen Termin für die Gesamteröffnung, kündigte Platzeck an. Und zum Jahreswechsel könnte es eine Teilinbetriebnahme des BER für einzelne Fluggesellschaften geben, erklärte Mehdorn. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nutzte die Gelegenheit, um Pflöcke in den märkischen Sand zu treiben. Er hoffe darauf, dass das neue Cargo Center die Luftfrachtanlagen in Tegel entlaste und einige Frachtflüge nach Schönefeld verlagert werden, sagte Wowereit. Denn eine der Festlegungen, die man beim Beschluss, den neuen Großflughafen zu bauen, getroffen habe, sei, dass es nur einen Flughafenstandort in Schönefeld geben solle. „Das bedeutet, dass nach der Fertigstellung des Flughafens tatsächlich Tegel zugemacht wird“, so Wowereit. „Da gibt es kein wenn und aber.“

Kurierdienste nutzen das neue Angebot

Eine deutliche Ansage angesichts eines Flughafenchefs, der es in den letzten Monaten gerade zu genüsslich zelebrierte, über eine Offenhaltung Tegels zu spekulieren. Bei seinen Plänen für eine schrittweise Eröffnung erhielt Mehdorn dagegen Rückendeckung: „Berlin ist für ein Soft-Opening“, sagte Wowereit dazu.

Zunächst wird nun allerdings das Cargo Center in Betrieb genommen. Ab dem 1. August sollen die in Schönefeld startenden und landenden Frachtflieger der Kurierdienste FedEx und UPS dort abgefertigt werden.

Auch die in den Bäuchen der ab Schönefeld startenden Passagiermaschinen beförderte Luftfracht soll dann über das neue Cargo Center abgewickelt werden. Und die Pflanzenschutzkontrollen und die Veterinärgrenzkontrollen finden dann ebenfalls dort statt. Zumindest ein bisschen offen ist der neue Flughafen also tatsächlich.

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