CORONAVIRUS

Polizei unterbindet Corona-Partys in Berlin

Es gab so viele eindringliche Apelle, nicht Feiern zu gehen und soziale Kontakte wegen des Coronavirus einzuschränken. Nun gibt es deshalb vermehr Polizeikontrollen.
dpa
In einem geschlossenen Restaurant sind um 20 Uhr die Stühle umgedreht auf den Tischen. Um die Ausbreitung des Coronavirus
In einem geschlossenen Restaurant sind um 20 Uhr die Stühle umgedreht auf den Tischen. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen hat die Bundesregierung das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt. Christophe Gateau
Berlin.

Das rigorose Schließen der Berliner Restaurants am Mittwochabend und zuvor schon der Bars und Kneipen wegen der Coronavirus-Pandemie hat nach Einschätzung von Beobachtern deutliche Wirkung im Nachtleben gezeigt. Auf den Straßen der Innenstadtteile wurde es am Mittwochabend von Stunde zu Stunde leerer.

In den sonst von jungen Menschen und Touristen belebten größeren Straßen von Neukölln, Schöneberg, Kreuzberg und Friedrichshain waren alle Gaststätten und Restaurants geschlossen. Am frühen Abend hatten die Imbisse noch geöffnet, gegen 23 Uhr war auch hier fast alles dicht. U-Bahnen und Busse fuhren weitgehend leer auf ihren Strecken. Nur Spätkaufläden hatten an manchen Ecken noch geöffnet.

100 Polizisten fahren Berliner Straßen ab

Die Polizei hatte angekündigt, am Mittwochabend und in der Nacht das Befolgen des Infektionsschutzgesetzes mit Blick auf die Restaurants und Kneipen gründlich zu kontrollieren. Dafür sollten von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens mehr als 100 Polizisten die Straßen abfahren. Am Donnerstagvormittag will die Polizei Zahlen zu Verstößen und Anzeigen veröffentlichen.

In der Sonnenallee in Neukölln hatten viele Imbissbetreiber die Räume mit den Tischen abgesperrt und geschlossen. Andere verkauften Döner und Falafel durch das Fenster zur Straße. „Nur nach draußen”, stand auf Zetteln an den Eingangstüren. Oder: „Ab 18 Uhr geschlossen”. Ein Imbissverkäufer antwortete lächelnd auf die Frage eines Kunden, ob es noch etwas zum Mitnehmen gäbe: „Nur zum Mitnehmen.” Ganz wenige Imbisse ließen zunächst noch Gäste an Tischen auf dem Bürgersteig essen. In der Potsdamer Straße sah es ähnlich aus.

Menschengruppen in Parks aufgelöst

Am Kottbusser Tor in Kreuzberg herrschte schon lange vor Mitternacht weitgehend Ruhe. Am Schlesischen Tor nutzten einige junge Männer den kleinen und leeren Vorplatz des U-Bahnhofs zum Fußballspielen. Auch das RAW-Gelände in Friedrichshain und die Umgebung des Boxhagener Platzes glichen einem ruhigen Abend an den Weihnachtsfeiertagen. Selbst viele Spätis hatten die sonst vor dem Eingang platzierten Bierbänke weggeräumt. Nur in Ausnahmefällen saßen hier und dort noch wenige hartnäckige Trinker an der Frankfurter Allee vor ihren Bierflaschen.

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Schon im Lauf des Mittwochs hatten Polizisten mehr als 130 illegal geöffnete Läden und Geschäfte in ganz Berlin geschlossen. Hier galten seit dem Morgen strenge Vorschriften, die nur wenige Ausnahmen von der befohlenen Schließung erlaubten. Auch in einigen Parks lösten Polizisten größere Gruppen von Menschen auf. Ab Donnerstag soll das Wetter wieder schlechter werden, sodass sich dieses Problem verringern könnte.

Strengere Maßnahmen als die Schließungen lehnt der Senat bislang ab, im Vertrauen auf umsichtiges Handeln der Berliner – etwa in Parks oder auf Spielplätzen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Mittwoch, dass etwa eine Ausgangssperre theoretisch schnell entschieden werden könnte. „Aber ich hoffe sehr, das wir diese Situation vermeiden können durch verantwortungsbewusstes Handeln.”

Müller in Kurzzeit-Quarantäne

Ob Müller am Donnerstag wie geplant seine Regierungsansprache halten kann, blieb unterdessen ungewiss. Der Regierende Bürgermeister ging vorsorglich in Kurzzeit-Quarantäne, nachdem der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Am 9. März hatten bei einer Veranstaltung etliche Abgeordnete Kontakt zu Issacharoff, darunter auch Müller. Das Abgeordnetenhaus sagte die für Donnerstag geplante Plenarsitzung ab.

Überlegt werde nun, ob Müller die Regierungserklärung in anderer Form abgeben könne, sagte Müllers Sprecherin. Der Regierende Bürgermeister arbeite die nächsten Tage und am Wochenende von zuhause aus. Er habe keine Symptome.

 

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