Patricia Schlesinger, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), sieht sich einer Reihe von Vorwürfen ausgesetzt
Patricia Schlesinger, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), sieht sich einer Reihe von Vorwürfen ausgesetzt. Paul Zinken (Archiv)
Kommentar

RBB-Intendantin Schlesinger muss zurücktreten

Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann sich eine Intendantin wie Patricia Schlesinger nicht länger erlauben. Sie muss jetzt abtreten, findet unser Kommentator.
Potsdam

Der RBB ist in Berlin und Brandenburg eine Instanz. Seine Journalisten stehen in aller Regel für seriöse und sauber recherchierte Beiträge – kurz: für Qualität. Oft genug haben sie Skandale aufgedeckt, Ermittlungen ausgelöst und Politiker zu Fall gebracht.

+++ Überblick: Darum geht es beim Skandal um die RBB-Intendantin +++

Verhalten der Intendantin spottet jeder Beschreibung

Und genau deswegen schlagen nun die Wogen hoch. Denn nun ist es ausgerechnet die RBB-Intendantin, deren Verhalten jeder Beschreibung spottet. Würde sich eine andere Gestalt des öffentlichen Lebens so verhalten wie es Patricia Schlesinger tut, wäre der Rücktritt längst ausgemachte Sache: Die dubiosen Beraterverträge, die dienstlich abgerechneten Abendessen in der Privatwohnung, ein in Zeiten knapper Kassen um 16 Prozent erhöhtes Intendantengehalt – und all das aus Gebührengeldern!

Schlesingers Verhalten ist Wasser auf die Mühlen all jener Populisten, die sowieso schon immer ein Ende des gebührenfinanzierten Rundfunks fordern und stattdessen das Feld lieber Propagandasendern wie „Fox News“ oder gar „Russia Today“ überlassen würden.

Affäre zeigt Reformbedarf beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn losgelöst von aller Propaganda zeigt die Affäre Schlesinger tatsächlich auch Reformbedarf: Es darf nicht sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein schwerfälliger, schlecht-kontrollierter Verwaltungsapparat ist, in dem sich Vetternwirtschaft frei entfalten kann.

Eigentlich führt an einem Rücktritt der Intendantin deshalb kein Weg mehr vorbei: Denn der Flurschaden, den Schlesinger beim RBB angerichtet hat, ist längst zu groß geworden.

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