KIRCHE IST DAS PEINLICH

Rechtsextremist in Grab von jüdischem Musikprofessor beigesetzt

Henry Hafenmayer, Holocaustleugner, Rechtsextremist und Antisemit, wurde am Freitag in Stahnsdorf beigesetzt – ausgerechnet im Grab des jüdischen Wissenschaftlers Max Friedlaender.
Die Friedhofskapelle auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Brandenburg) im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Hier wurde am F
Die Friedhofskapelle auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf (Brandenburg) im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Hier wurde am Freitag ein Rechtsextremist im Grab eines jüdischen Musikprofessors beigesetzt. Patrick Pleul
Stahnsdorf ·

Der Grabstein des Musikers Max Friedlaender war mit schwarzem Tuch verhängt. Auf dem Tuch standen die Lebensdaten von Henry Hafenmayer, seines Zeichens Holocaustleugner, Rechtsextremist und Antisemit. Am Freitag wurde die Urne mit den sterblichen Überresten des Holocaust-Leugners im Grab des jüdischen Musikwissenschaftlers auf dem evangelischen Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt: Die Liegezeit für Friedlaenders Grab war ausgelaufen, die Rechtsextremisten haben das Grab des Wissenschaftlers schlicht gekauft.

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Fotografien der Szenebeoachter von „Friedensdemo-Watch“ zeigen: Auf dem Grab Friedlaenders lag ein Kranz mit einem eisernen Kreuz, daneben ein weiterer Kranz mit der Aufschrift „Ehre wem Ehre gebührt“.

Kirche berät über das weitere Vorgehen

Der Evangelischen Kirche ist der Vorgang mittlerweile peinlich. Eine Kirchensprecherin teilte am Montag mit, man versuche zu klären, wie der Erwerb des Grabes möglich war. Ursprünglich hätten die Neonazis noch ein anderes Grab zu kaufen versucht, nachdem dies nicht gelungen sei, habe man das Grab von Friedlaender gekauft.

Die Kirche bedauere, dass das gelungen sei. Man berate nun über das weitere Vorgehen. Der Stahnsdorfer Südwestkirchhof ist ein vor den Toren Berlins gelegener historischer Parkfriedhof. Auf ihm sind zahlreiche Prominente beigesetzt, etwa Werner von Siemens oder der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff.

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