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Keine Rettungsgasse

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Retter rennen kilometerweit zur Unfallstelle

Bei dem Unfall auf der A24 bei Wittstock wurden zwei Menschen schwer verletzt.
Bei dem Unfall auf der A24 bei Wittstock wurden zwei Menschen schwer verletzt.
Susan Ebel

Auf der A24 in Brandenburg ist es es zu einem schweren Unfall gekommen. Doch da Autos im Weg waren, mussten die Einsatzkräfte sprinten.

Auf der A24 bei Wittstock hat eine fehlende Rettungsgasse zu einer besonders dramatischen Situation geführt: Dort hatte sich am Montagnachmittag ein Transporter überschlagen, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Rettungskräfte mussten „drei bis vier Kilometer” bis zur Unfallstelle laufen, sagte der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wittstock, Steffen Müller, dem Nordkurier. Erst nach einer etwa halben Stunde waren die Retter vor Ort.

Einige Rettungsfahrzeuge seien zwar zuvor bis zum Unfallort vorgedrungen. Weitere Helfer – darunter der Notarzt – kamen nicht mehr durch. Es komme häufig vor, dass eine Rettungsgasse gebildet werde, Autofahrer diese aber nach der Durchfahrt des ersten Einsatzfahrzeugs wieder auflösten, sagte Müller. In diesem Fall entschlossen sich die Helfer schließlich, zu laufen und ihr Equipment auf einer Trage zu transportieren.

Im Notfall zählt jede Minute

Drei bis vier Kilometer bei den derzeitigen Temperaturen: Nach so einem Lauf müsse man erst einmal „kurz durchpusten und die Gedanken sammeln”, so der Wehrführer. „Das ist eine nicht ganz alltägliche Situation und sie sollte auch nicht alltäglich werden.” Dass Retter bereits erschöpft am Unfallort ankommen, könne auch Auswirkungen auf die Versorgung der Verletzten haben. Und auch der Zeitverlust könne schlimme Folgen haben. Im Notfall zähle jede Minute.

Allerdings blieben die Opfer des Unfalls am Montag nicht ohne Erstversorgung. Ein Rettungswagen und ein Feuerwehrfahrzeug seien bereits vor Ort gewesen, als er selbst an der Unglücksstelle ankam, sagte Müller. Eine Verletzte sei bereits im Krankenwagen gewesen. Zudem seien Helfer des Johanniter-Ordens zufällig vor Ort gewesen und hätten geholfen.

Nicht genug Platz für Rettungsgasse

Die fehlende Rettungsgasse ist nach Ansicht des Wehrführers der Wittstocker Feuerwehr jedoch nicht nur Schuld der Autofahrer. Diese hätten durchaus versucht eine Gasse zu bilden. Doch wegen einer Baustelle standen nur zwei Spuren zur Verfügung, die auch noch verengt waren – für eine ausreichend breite Rettungsgasse blieb einfach nicht genug Platz. Zwar hätten die Helfer bei ihrem Lauf zur Unfallstelle noch versucht, Autofahrer auf die rechte Fahrspur zu lotsen. Doch auch dort sei bald alles voll gewesen.

Müller empfiehlt Kraftfahrern deshalb, bei Stau in einer Baustelle keine klassische Rettungsgasse zu bilden, sondern den linken Fahrstreifen komplett freizulassen. Deshalb sollte man bei stockendem Verkehr ausreichend Abstand zum Vordermann lassen, damit sich im Notfall andere Fahrzeuge einfädeln können.

Dass Autofahrer keine Rettungsgassen bilden und so Einsatzkräfte behindern, sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Im vergangenen Jahr wurden angesichts wiederholter Vorfälle, bei denen Retter nur mit Verzögerung zu Unfallopfern durchdringen konnten, die Bußgelder für sogenannte Rettungsgassensünder erhöht, im schlimmsten Fall drohen sogar Fahrverbote.