Am Sonntag wählen die Cottbuser einen neuen Oberbürgermeister. SPD-Bewerber Tobias Schick (rechts) tritt gegen AfD-Kandidat Lars Schieske an.
Am Sonntag wählen die Cottbuser einen neuen Oberbürgermeister. SPD-Bewerber Tobias Schick (rechts) tritt gegen AfD-Kandidat Lars Schieske an. Frank Hammerschmidt, Patrick Pleul, NK-Montage
Lausitz

SPD gegen AfD – Cottbus vor entscheidender OB-Wahl

Es geht in Cottbus am Sonntag bei der Stichwahl um mehr als um das Amt des Oberbürgermeisters: Zwei Jahre vor der Landtagswahl sehen SPD und AfD darin auch eine Richtungswahl.
dpa
Cottbus

Cottbus steht vor einer richtungsweisenden Wahl: Am Sonntag wählt die Stadt einen neuen Oberbürgermeister. Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, die mitten im Strukturwandel steckt, bestimmt aber nicht nur das Stadtoberhaupt für die nächsten acht Jahre. Es geht zwei Jahre vor der Landtagswahl auch um die Frage, ob die AfD bundesweit den ersten Oberbürgermeister einer Stadt stellen könnte oder nicht. SPD-Bewerber Tobias Schick tritt gegen AfD-Kandidat Lars Schieske an. Im jüngsten Brandenburg-Trend des RBB lagen SPD und AfD landesweit in der Landtagswahl-Sonntagsfrage gleichauf.

Die Ausgangslage

In der ersten Runde der OB-Wahl holte Schick am 11. September 31,8 Prozent der Stimmen. AfD-Kandidat Schieske erhielt 26,4 Prozent. Beide müssen in die Stichwahl, keiner der sieben Kandidaten erreichte die absolute Mehrheit. CDU, Grüne, Linke und FDP sagten Schick für die Stichwahl ihre Unterstützung zu. Auch ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Evangelischem Kirchenkreis sowie der Präsidentin der Brandenburgisch-Technischen Universität, Gesine Grande, und Staatstheater-Intendant Stephan Märki setzt sich für Schick ein.

Die Kandidaten

Tobias Schick (SPD) ist Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Der gebürtige Ludwigsfelder besuchte als Teenager die Sportschule in Cottbus und studierte an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus. Er ist seit 2012 Mitglied der SPD.

Lars Schieske (AfD), gebürtiger Cottbuser, ist gelernter Energieelektroniker. Der Berufsfeuerwehrmann errang bei der Landtagswahl 2019 mit 27,3 Prozent das Direkmandat in Cottbus und zog als Abgeordneter ins Landesparlament ein. Er nahm an Veranstaltungen des Vereins „Zukunft Heimat“ teil, den der Verfassungsschutz Brandenburg als rechtsextremistisch einstuft.

Die Ziele

SPD-Bewerber Schick will bei einem Wahlsieg den Wissenschaftsstandort Cottbus stärken, notwendige neue Schulen bauen und bestehende sanieren und Investitionen für Bildung, Straßen, Kultur und soziale Einrichtungen im Stadthaushalt verdoppeln. Er setzt sich gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung ein. Sein Motto: „Zusammenarbeiten, zusammenleben, Cottbus gestalten.“

AfD-Kandidat Schieske will eine Stadtpolizei einrichten, Handwerk, Mittelstand und die Ansiedlung von Unternehmen unterstützen, neue Schulen bauen und bestehende wo nötig sanieren. Er will „echte Fachkräfte“ anziehen und die Corona-Impfpflicht für das Gesundheitspersonal im Fall eines Wahlsieges nicht umsetzen. Sein Motto: „Damit Cottbus Heimat bleibt.“

Der Wahlkampf

Als ginge es um eine Landtagswahl, werden beide Kandidaten von ihren Parteien prominent unterstützt. Tobias Schick lud die Bürger für Mittwoch zum gemeinsamen Döneressen mit ihm und SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert ein. Am Donnerstag vergangener Woche war Berlins SPD-Chefin, die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, in Cottbus, am Samstag kam SPD-Landeschef und Ministerpräsident Dietmar Woidke.

Lars Schieske erhielt prominente Unterstützung von der ganzen AfD-Bundesspitze: Am 8. September kam Vorsitzende Alice Weidel zum OB-Wahlkampf nach Cottbus. Am 24. September war Parteichef Tino Chrupalla in der Lausitz-Metropole. Zu der Veranstaltung kam auch die AfD-Landesvorsitzende Birgit Bessin.

Die Stadt

Die zweitgrößte Stadt Brandenburgs steht mit dem Braunkohleausstieg vor einem erneuten Strukturwandel. Sie gilt laut Verfassungsschutz Brandenburg als Schwerpunkt des Rechtsextremismus im Land. Der Verfassungsschutz des Landes stufte die AfD Brandenburg 2020 als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Bei der Kommunal- und der Landtagswahl 2019 wurde die AfD in Cottbus jeweils stärkste Kraft. Bei der Bundestagswahl 2021 ging das Mandat im Wahlkreis an die SPD, die AfD lag dahinter.

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