ABSCHUSS

Streit um den Wolf eskaliert – Rausschmiss für den Schäfer-Chef

Harte Sitten unter Schäfern: Weil der Vorsitzende des Brandenburger Landesverbandes zu wenig Begeisterung für den Abschuss von Wölfen zeigt, soll er den Berufsverband nun verlassen. Nun ist die Stimmung vergiftet.
dpa
Knut Kucznik leitet den Landesverband der Berufsschäfer. Er kritisiert, dass viele seiner Berufskollegen in anderen Bunde
Knut Kucznik leitet den Landesverband der Berufsschäfer. Er kritisiert, dass viele seiner Berufskollegen in anderen Bundesländern zu wenig tun, um ihre Herden vor dem Wolf zu schützen. Nun soll er den Verband verlassen. Archivbild Carsten Koall
Die Zahl der Wolfsrisse steigt seit Jahren.
Die Zahl der Wolfsrisse steigt seit Jahren. Patrick Pleul
Altlandberg.

Im Bundesverband Berufsschäfer ist ein Streit um den Umgang mit Wölfen eskaliert. Der Vorstand habe den Vorsitzenden des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg, Knut Kucznik, ausgeschlossen, sagte Bundesverbandssprecher Frank Hahnel am Sonnabend.

Kucznik hatte Ärger im Bundesverband ausgelöst, weil er mit Posts in sozialen Netzwerken seine Berufskollegen aufgefordert hatte, für einen besseren Herdenschutz der Schafe zu sorgen, statt den Abschuss von Wölfen zu fordern.

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Videos in sozialen Netzwerken gepostet

Da Kucznik Widerspruch eingelegt habe, werde die Mitgliederversammlung in der kommenden Woche über den Ausschluss entscheiden, erklärte Hahnel. Auslöser für den Ausschluss seien Videos gewesen, die er in sozialen Netzwerken gepostet habe, berichtete Kucznik. Damit habe er zeigen wollen, wie der Schutz von Schafen und Ziegen mit Zäunen und Schutzhunden funktioniere.

Er habe damit auf andere Posts von Nutztierhaltern reagiert, die von Wölfen gerissene Tiere gezeigt und den Abschuss von Wölfen gefordert hätten. Der Vorstand des Bundesverbands habe ihm daraufhin Beleidigung der Kollegen vorgeworfen.

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Abschuss von Wölfen gesetzlich verboten

„Ich habe mich bei den Beiträgen in einem schwachen Moment wohl zu hochmütig und oberlehrerhaft gezeigt“, räumte Kucznik ein. In der Sache sei es ihm jedoch wichtig, dass der Abschuss von Wölfen gesetzlich verboten und nur bei Wölfen zulässig sei, die trotz Schutzmaßnahmen wiederholt Schaf- oder Ziegenherden angriffen. „Wir Schäfer sind verpflichtet, die Natur zu schützen“, betonte Kucznik. „Da können wir nicht andererseits den Abschuss von Wölfen fordern.“

In Brandenburg habe sein Verband erreicht, dass die Schutzmaßnahmen auch für Hobbyzüchter komplett vom Land bezahlt würden, betonte Kucznik. Daher stehe auch eine große Mehrheit im Landesverband hinter ihm. „Durch meinen Rauswurf mit einem wütenden Brief vom Vorstand ist die Stimmung im Bundesverband ziemlich vergiftet“, bedauerte Kucznik. „Es gibt nicht wenige Mitglieder im Landesverband, die daher einen Austritt aus dem Bundesverband in Erwägung ziehen.“

 

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Kommentare (2)

Ich bin ganz der Meinung und finde nicht, es werden Schäfer Kollegen beleidigt. Mit gutem Herdenschutzhunden, sprich E-Zaun und guten Herdenschutzhunden funktioniert Wolfsabwehr seit Jahrzehnten in anderen und auch in Deutschland. Die Schäfer sollten sich offen mit dem Thema Herdenschutzhunde als effektivste Lösung auseinandersetzen statt zu warten und zu jammern, wenn dann wie zu erwarten Verluste eintreten.

Die Entlassung dieses Verbandsvorsitzenden war seit Jahren überfällig. Macht er doch nichts anderes wie NABU-Lobbyarbeit gegen seine eigenen Verbandsmitglieder und andere Schäferkollegen, indem er jetzt sogar die dringend nötige Entnahme von nutztierspezialisierten Problemwölfen verhindern will. Statt dessen sollen seine Kollegen immer mehr seiner Hunde kaufen.

Dass er mit Produktion, Zertifizerung und Verkauf von Herdenschutzhunden sein Portemonee füllt, indem er durch den von ihm gegründeten Verein ein Monopol auf präventionsgeförderte HSH (mehrere tausend Euro pro Hund) besitzt, spricht nicht für seine Integrität.

Und wenn dann oben drauf noch solch eine Vertuschungsaktion (wie in folgenden Links beschrieben) kommt, um seine HSH-Zucht vor Negativschlagzeilen zu schützen, ist das Maß wohl entgültig voll.

https://www.nordkurier.de/brandenburg/massaker-an-der-schwarzen-elster-was-ist-hier-passiert-2940871809.html

Besser und ausführlicher recherchiert dann hier:
http://gorden.info/images/PDF/20201001_lielok01_0110_11120256931.pdf

Ähnlicher Krimi lief gerade mit einem angeblich HSH-unfähigen Schäfer in Ohrdruf ab. Auch da gibts einen märchenerzählenden HSH-Züchter, der um sein lukratives Geschäftsmodel fürchtet.

Und ja. DIE Schäfer setzen sich seit Jahren, nicht erst seit Wolfsanwesenheit, mit dem Thema HSH auseinander und kommen so gut wie immer zu dem Schluß, dass es in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft völlig verantwortungslos und ruinös wäre, sich ganze Rudel von diesen gefährlichen, teuren und viel zu arbeitsaufwändigen Tieren zuzulegen.

Das wäre den Teufel mit dem Belzebub austreiben wollen.