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Tagebau-Dorf steht offenbar auf wackligem Grund

Droht ein Erdrutsch beim geplanten Tagebau Welzow-Süd II? Die Umweltaktivisten von Greenpeace befürchten es.

Ein neues Gutachten der Umweltorganisation Greenpeace bezweifelt die Sicherheit im geplanten Tagebau Welzow-Süd II. Demnach sei es denkbar, dass bei dem Ort Lieske (Oberspreewald-Lausitz) Gebiete einbrechen oder abrutschen könnten. So würde eine unterirdische Dichtwand nicht ausreichend vor der Unterspülung durch den angrenzenden Seedlitzer See schützen, heißt es in dem Papier. Das brandenburgische Landesbergamt schließt dies indes aus. Sein Präsident Klaus Freytag hat aufgrund bisheriger Untersuchungen „absolut keinen Zweifel“ an der Sicherheit des Standortes. Genauso sieht es der Energiekonzern Vattenfall.

Lieske soll künftig auf einem 600 Meter breiten Damm zwischen dem Seedlitzer See – einer mit Wasser gefüllten früheren Tagebaugrube – und dem neuen Fördergebiet liegen. Eine rund zehn Kilometer lange und 100 Meter tiefe Dichtwand aus Ton soll das Dorf unterirdisch vor dem Abrutschen schützen. „Bereits ein winziges Leck kann zum Versagen des gesamten Damms führen“, warnt der Geologe Ralf Krupp. In der Folge würde Lieske vom Seewasser unterspült und drohe schließlich wegzurutschen. Das Szenario beruht auf Rechenmodellen des Wissenschaftlers.

Greenpeace fordert deshalb die Einstellung des Braunkohle-Planverfahrens Welzow-Süd II. „Es ist völlig unverantwortlich, das Leben der Einwohner dort aufs Spiel zu setzen“, sagte der Energie-Experte der Organisation, Gerald Neubauer. Eine erhöhte Sicherheitszone rund um Lieske sollte das Minimum sein.

Beim schwedischen Energiekonzern Vattenfall ist man von der Sicherheit des Standortes nach wie vor überzeugt. Der Ort liege auf natürlich gewachsenem Erdreich und nicht auf einer Kippenfläche.

Kohle-Gegner wehren sich seit Jahren gegen die Erweiterung des südbrandenburgischen Tagebaus Welzow-Süd. Dazu müssten rund 800 Menschen aus Welzow und Proschim umgesiedelt werden, was diese ablehnen.