Musterprozess geplant
FDP-Politiker gibt Wölfe zum Abschuss frei

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist nun auch Teil des Streits über den Umgang mit Wöfen.
Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist nun auch Teil des Streits über den Umgang mit Wöfen.
Wolfgang Kumm, ALEXANDRE - Fotolia.com (Kombo NK)

Muss man tatenlos zusehen, wenn ein Wolf die eigenen Tiere angreift? Diese Frage ist umstritten. Doch der FDP-Politiker und Anwalt Wolfgang Kubicki kommt in einem Gutachten zu einem eindeutigen Ergebnis.

Der Wolf ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Dabei kommt es auch immer wieder zu Vorfällen, bei denen Weidetiere gerissen werden. Auch in Ställe soll das Raubtier bereits vorgedrungen sein. Forderungen nach dem Abschuss von Wölfen werden immer lauter.

Doch der Wolf ist durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt. Der vorsätzliche Abschuss eines Wolfs in Deutschland ist eine Straftat, bei der bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe drohen.

Muss man also tatenlos zuschauen, wenn ein Wolf die eigene Schafherde und sogar den Hofhund angreift? Der Bauernbund Brandenburg will das nicht hinnehmen und hat sich prominente Unterstützung gesucht: Der FDP-Politiker und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki hat ein Rechtsgutachten für den Landwirteverband erstellt.

Tötung von Herdentieren muss hingenommen werden

Darin kommt der Bundestagsabgeordnete zu dem Schluss: „Steht ein Angriff des Wolfes auf einen Menschen unmittelbar bevor und lässt sich das Tier zum Beispiel durch Werfen mit Gegenständen oder einen Warnschuss nicht davon abbringen, seine Bewegung auf einen Menschen zu verändern, so ist der tödliche Schuss auf den Wolf in jedem Fall gerechtfertigt. Gleiches gilt – ohne jede Form von 'Vorwarnung' -, wenn der Wolf zum Angriff bereits angesetzt hat.”

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Der Gesetzgeber habe bereits eine Werteentscheidung getroffen, nach der der Schutz der Wölfe angesichts des Artenschutzes höher zu gewichten sei als der Schutz der Herdentiere. „Dies bedeutet, dass im Rahmen der notwendigen Interessenabwägung die Tötung von Herdentieren, zum Beispiel Schafen oder Kälbern, hingenommen werden muss”, heißt es in Kubickis Gutachten.

Handele es sich jedoch um Tiere von besonderem materiellen oder ideellem Wert – also ein Tier mit hohem Verkaufs- beziehungsweise Zuchtwert oder eines, zu dem der Halter eine individuelle Beziehungen hat – dürfe der Wolf verschreckt und gegebenenfalls auch getötet werden, wenn sich der Angriff fortsetze.

Kubicki soll Verteidigung übernehmen

„Wird ein solches Tier angegriffen, reagiert der Wolf nicht auf Schüsse in die Luft und kann die Notwehr von einer weiteren Person bezeugt werden, muss der Tierhalter nicht mehr tatenlos zusehen, wie sein Eigentum vom Wolf gerissen wird”, argumentiert Frank Michelchen, Biobauer aus Leibsch und Wolfsbeauftragter des Bauernbundes. „Diese rechtliche Klarheit hätten wir uns eigentlich von der Wolfsverordnung der Landesregierung gewünscht. Aber wir sind auch bereit, sie in einem Musterprozess zu erstreiten.”

Der Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, Reinhard Jung, kündigte an, dass der Bauernbund dem ersten Landwirt oder Jäger, der wegen der Tötung eines Wolfs in Notwehr angeklagt werden sollte, die Prozesskosten bezahlen wird. Kubicki werde die Verteidigung in diesem Fall übernehmen.