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Sturm „Xavier”

:

Verkehrschaos und Ausnahmezustand in Berlin

Reisende stehen am U- Bahnhof Alexanderplatz. Der Nahverkehr in Berlin wurde wegen des Sturmtiefs "Xavier" eingestellt.
Reisende stehen am U- Bahnhof Alexanderplatz. Der Nahverkehr in Berlin wurde wegen des Sturmtiefs „Xavier” eingestellt.
Paul Zinken

Sturm „Xavier“ legt in Berlin fast den kompletten Nahverkehr lahm.

Mit Orkanböen fegte Sturm „Xavier” am Donnerstagabend über die Hauptstadt und sorgte zum Beginn des Feierabendverkehrs für einen Ausnahmezustand. Für mehrere Stunden brachen große Teile des öffentlichen Nahverkehrs und des Straßenverkehrs zusammen. Nichts ging mehr in vielen Teilen der Stadt. Zehntausende hingen auf Bahnhöfen fest. Die U-Bahnen, die fuhren, waren hoffnungslos überfüllt.

Am Berliner Hauptbahnhof war die Lage am Donnerstagabend chaotisch. Rund 200 Menschen standen im Eingangsbereich herum, viele waren auf der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht. Manche berichteten, dass es schwierig sei, noch ein Hotel zu finden. Die Bahn stellte einen Schlafwagen bereit, der schon nach kurzer Zeit voll gewesen sei, erklärte ein Bahn-Mitarbeiter. Auf den Anzeigetafeln war von Zugausfällen zu lesen, teilweise auch von Verspätungen, es fuhr aber gar nichts mehr. Menschen berichteten, dass Taxi-Gutscheine verteilt worden seien.

Mehr als 1000 Feuerwehr-Einsätze in vier Stunden

Ab 16 Uhr wurden nach und nach weite Teile des Verkehrs eingestellt. Die Deutsche Bahn stoppte alle Regional- und Fernzüge in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Eine Sprecherin sagte am Donnerstagabend: „Wir müssen die Entwicklung des Wetters abwarten.“ Wann Strecken freigegeben werden könnten, sei unklar.

Die Feuerwehr rief zudem den Ausnahmezustand aus und arbeitete zwischen 16 Uhr und 20 Uhr etwa 1050 Einsätze ab. Helfer der freiwilligen Feuerwehren wurden zur Unterstützung angefordert.

Die S-Bahn unterbrach den kompletten Verkehr in der Hauptstadt. Ursache waren vor allem Bäume, die auf die Gleise oder in die Oberleitungen stürzten. „Ein Schienenersatzverkehr kann wegen des Unwetters nicht eingerichtet werden“, twitterte die S-Bahn. Später gab es zumindest einen Not-Pendelverkehr in einem Tunnel in der Innenstadt. Gegen Abend wurden einzelne Strecken wieder befahren.

Auch am Freitagmorgen noch Störungen

Auch die BVG-Busse und die Straßenbahnen, die besonders im Osten der Stadt das wichtigste Verkehrsmittel sind, standen still. Ein Busfahrer sagte seinen Gästen auf der Linie M29 durch: „Liebe Fahrgäste, ich fahr seit dreißig Jahren Linienbus, aber das habe ich noch nicht erlebt: der Busverkehr wird eingestellt, bitte steigen Sie alle aus.“ Erst nach 19 Uhr fuhren die ersten Buslinien wieder.

Ein Sprecher der BVG sagte, auch am Freitagmorgen sei noch mit Störungen zu rechnen. Jede einzelne Strecke müsse überprüft werden. Wann sie wieder befahren werden könnten, hänge vom Umfang der Aufräumarbeiten ab.

Viele Menschen versuchten es mit den U-Bahnen. Im Internet kursierten Fotos von völlig überfüllten Bahnhöfen. „Proppevoll“ seien die Züge, sagte ein Sprecher. Aber auch hier kam es zu Problemen in oberirdischen Teilen. Die U2 im Westen, die U5 im Osten und die U6 im Norden waren zwischendurch unterbrochen. Die U1 fuhr dagegen durchgehend oberirdisch weiter. Am Abend fuhren alle Linien wieder.

Auf den Flughäfen gab es zeitweise nur eingeschränkten Betrieb, weil die Abfertigung eingestellt wurde. Passagiere mussten in gelandeten Flugzeugen warten. Zum Abflug vorgesehene Maschinen konnten sowohl in Tegel als auch in Schönefeld nicht mehr beladen werden. Es gab zahlreiche Verspätungen und einige Umleitungen.

Sieben Tote, Zugausfälle und Verwüstungen im ganzen Land:
Lesen Sie hier eine Bilanz nach dem Sturm „Xavier“.