Warum nicht mal nach Brandenburg, hier Zernitz-Lohm? Mit dem 9-Euro-Ticket soll bald Bahnfahren quer durch Deutschland deutlic
Warum nicht mal nach Brandenburg, hier Zernitz-Lohm? Mit dem 9-Euro-Ticket soll bald Bahnfahren quer durch Deutschland deutlich günstiger werden. Soeren Stache
Günstig Bahnfahren

Mehr Geld gefordert - scheitert das 9-Euro-Ticket doch noch?

Ab Juni soll das 9-Euro-Ticket günstige Bahnfahrten durch ganz Deutschland ermöglichen. Es könnte aber noch an der Zustimmung einiger Verkehrsminister scheitern.
Schwerin

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) fordert vor der Einführung des 9-Euro-Tickets weitere Zusagen des Bundes. Mecklenburg-Vorpommern werde am Dienstag festlegen, wie es bei der bevorstehenden Abstimmung entscheide, sagte Meyer am Sonntag. „Meine Empfehlung lautet: Keine Zustimmung, so lange der Bund keine zusätzlichen Regionalisierungsmittel bereitstellt, um das Angebot im ÖPNV nachhaltig zu gestalten.“ Ansonsten mache das 9-Euro-Ticket als Anreiz keinen Sinn.

Ähnlich hatte sich auch Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) geäußert. „Der notwendige Ausbau des Angebots und seine attraktive Gestaltung können nur gelingen, wenn der Bund seiner Finanzierungsverantwortung nachkommt“, betonte er am Sonntag. Die Ampelkoalition habe im Koalitionsvertrag mehr Geld zugesagt. „Das muss jetzt umgesetzt werden.“

Ohne eine nachhaltige Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs drohe das 9-Euro-Ticket zu einem Strohfeuer zu werden, sagte der Minister. „Dem Bund steht am kommenden Freitag im Bundesrat eine Blockade bevor, sollte er nicht die Vollfinanzierung des 9-Euro-Tickets und eine erhebliche Aufstockung der Regionalisierungsmittel in den kommenden Jahren gewährleisten.“

Hintergründe: Chancen und Risiken des 9-Euro-Tickets

Auch Bayern und Baden-Württemberg wollen mehr Geld vom Bund

Auch Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) und sein Kollege in Baden-Württemberg Winfried Hermann (Grüne) forderte mehr Mittel vom Bund, sollte das Sonderticket kommen. Hermann betonte, wenn der Bund nicht bereit sei, die Regionalisierungsmittel zu erhöhen, könnte das Gesamtpaket Tankrabatt und 9-Euro-Ticket im Bundesrat scheitern. Noch könnte ein informelles Vermittlungsverfahren die drohende Blockade verhindern, sagte der Grünen-Politiker.

Die Sondertickets sollen im Juni, Juli und August bundesweit Fahrten im Nah- und Regionalverkehr ermöglichen – für jeweils 9 Euro im Monat und damit viel günstiger als normale Monatstickets. Sie sind Teil des Entlastungspakets der Ampel-Koalition wegen der hohen Energiepreise. Als Schnupperangebot soll es zudem mehr Kunden für Busse und Bahnen gewinnen.

Der Bund will dies mit 2,5 Milliarden Euro für die Länder zum Ausgleich von Einnahmeausfällen finanzieren. Das Gesetz soll in der neuen Woche von Bundestag und Bundesrat besiegelt werden.

Bahn sieht „einmalige Chance”

Mit dem 9-Euro-Ticket gebe es „die einmalige Chance, mehr Menschen langfristig für den öffentlichen Nahverkehr und die klimafreundliche Schiene zu begeistern“, teilte der Chef der zuständigen Bahn-Tochter DB Regio, Jörg Sandvoß, am Sonntag mit. Nach Angaben der Bahn wird das 9-Euro-Ticket stets vom ersten bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats gültig sein. Wer also erst Mitte des Monats zugreift, kann nur noch die verbleibende Monatshälfte damit umherfahren. Es soll ab Verkaufsstart am 23. Mai aber möglich sein, die Tickets für alle drei Monate gleichzeitig zu kaufen.

Die private Busbranche warnte vor negativen Effekten vor allem auf Fernbusfahrten. Durch die bundesweite Gültigkeit sei das Ticket neben der Funktion als Entlastung für Pendlerinnen und Pendler quasi auch eine „Fernverkehrsflatrate“, erklärte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen in einer Stellungnahme für den Bundestag. Es sei daher zu erwarten, dass sich viele Menschen bei ihrer Reiseplanung für das 9-Euro-Ticket und gegen den Fernbus entscheiden würden. „Und das nach über zwei Jahren Corona-bedingter Fahrgastausfälle.“

Auch Bus-Anmietungen dürften Konkurrenz durch das 9-Euro-Ticket spüren, erläuterte der Verband. „Viele Klassenfahrten, Schulausflüge oder Vereinsreisen werden nicht mehr mit dem Reisebus durchgeführt, sondern so geplant, dass sie auch mit dem Regionalverkehr der Bahn realisiert werden können.“ Um zu verhindern, dass Busunternehmen durch einbrechende Fahrgeldeinnahmen in Liquiditätsprobleme geraten, müsse sichergestellt sein, dass Ausgleichsmittel bereits im Mai vor Beginn des Aktionszeitraums im Juni bei den Unternehmen ankommen.

Umfrage: Mehr als jeder Dritte will das 9-Euro-Ticket nicht nutzen

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