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Wilderei auch in märkischen Wäldern ein Problem

Nicht immer hat ein rechtmäßiger Jäger die Hand am Abzug.
Nicht immer hat ein rechtmäßiger Jäger die Hand am Abzug.
Patrick Pleul

Ob zur Trophäensuche oder zur Fleischbeschaffung – illegales Jagen nimmt in Brandenburg zu. Die Ermittlung solcher Fälle gestaltet sich in den ausgedehnten Waldgebieten des Landes schwierig.

Der Landesjagdverband hat die zunehmende Wilderei in Brandenburg beklagt. „Wir haben da ein Problem“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Brandenburg in Michendorf (Potsdam-Mittelmark). Es gebe zwei Sorten von Wilderern. Die einen würden die Tiere wegen des Fleisches erlegen, die anderen seien an Trophäen wie Geweihen interessiert. Neben Banden, die im großen Stil Tiere illegal erlegen, könne auch jeder Spaziergänger oder Autofahrer zum Wilderer werden. In einem großen Flächenland wie Brandenburg sei nicht kontrollierbar, wer einen Schuss abgegeben habe.

Baumann reagierte auf den aktuellen Fall von Wilderei in Österreich, der zu Wochenbeginn außer Kontrolle geraten war. Dort soll ein mutmaßlicher Wilderer drei Polizisten und den Fahrer eines Rettungswagens erschossen haben. Anschließend tötete er sich vermutlich selbst.

Nur selten werden die Schuldigen erwischt

„Wer einen Wildschweinschädel aus dem Wald mitnimmt oder nach einem Zusammenstoß das Tier in den Kofferraum lädt, macht sich der Wilderei schuldig“, sagte Baumann. Nur selten gelinge es, die Schuldigen zu ermitteln. „Man muss die Leute auf frischer Tat erwischen, sonst ist der Nachweis schwierig“, sagt Baumann.

120 Verfahren wegen Wilderei hat es in den vergangenen zwölf Monaten in Brandenburg gegeben, teilte Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher mit. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher. Wilderern drohen im Falle einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Auch im Land Brandenburg hatte es kürzlich einen Aufsehen erregenden Fall von Wilderei gegeben. Am 24. August erschoss ein 73-Jähriger in einem Ortsteil von Brandenburg/Havel auf der Pirsch seinen 51 Jahre alten Begleiter, weil er ihn irrtümlicherweise für ein Tier gehalten hatte. Beide Männer besaßen keinen Jagdschein.