VIDEO VERÖFFENTLICHT

Wirt vor israelischem Restaurant antisemitisch beschimpft

Der Wirt eines israelischen Restaurants in Berlin hat ein Video mit antisemitischen Beschimpfungen ins Netz gestellt. Ein Mann hatte gegen Juden gehetzt.
dpa
Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung gegen einen Mann, der einen Wirt in Berlin antisemitisch beschimpft hat.
Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung gegen einen Mann, der einen Wirt in Berlin antisemitisch beschimpft hat. Screenshot Youtube
Berlin.

Ein Video mit wüsten antisemitischen Beschimpfungen gegen den Besitzer eines israelischen Restaurants in Berlin sorgt für Empörung. Bis Donnerstagmorgen hatten fast 300.000 Facebook-Nutzer das Video gesehen, das dokumentiert, wie ein Mann gegen Juden hetzt und den Betreiber des Restaurants in der Nähe des Kurfürstendamms grob beleidigt.

Nach Angaben der Polizei hatte der 36-jährige Yorai Feinberg am Dienstagnachmittag mit der Freundin vor seinem Restaurant in Berlin-Schöneberg gestanden, als der Passant an sie herantrat. Das Video zeigt, wie der Mann den Wirt minutenlang verbal attackiert, es fallen Worte wie „Wir wollen euch hier nicht” und „Gaskammer”.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Der Wirt hielt schließlich einen Streifenwagen an, der zufällig vorbeikam. Die Polizisten legten dem Mann Handfesseln an und nahmen ihn mit. Der 60-Jährige sei aggressiv gewesen und habe auch die Polizisten beleidigt. Der Mann kam später wieder frei. Der Staatsschutz ermittelt nun wegen Volksverhetzung sowie Beleidigung und Widerstands gegen Polizisten. Der 60-Jährige ist der Polizei bekannt, allerdings wegen anderer Delikte. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

„Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik”

„Deutschland nimmt keine gute Entwicklung”, sagte der Restaurantchef Yorai Feinberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach dem Vorfall. „Es wird immer weniger gegen Antisemiten vorgegangen. Immer mehr gilt als legitime Israel-Kritik. Und dann passiert so etwas. Der Mann fühlte sich völlig sicher.” Die Beschimpfungen seien aber „nur die Spitze des Eisbergs”, sein Lokal bekomme monatlich im Durchschnitt zwei Hassmails, sagte Feinberg.

Auch Feinbergs Freundin, die das Video hochgeladen hatte, erklärte auf Facebook, es handele sich nicht um Einzelfälle: „Solche Angriffe passieren nunmehr fast täglich und sie werden immer intensiver. Die Täter verlieren ihre Scham, weil sie denken, sie könnten ihr wahres Gesicht hinter dem schönen Begriff der 'legitimen Israelkritik' verstecken. Doch am Ende bleibt es nur blanker Hass. Hass gegen Juden. Hass gegen Israel.”

Maas nennt Vorfall unfassbar

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die antisemitischen Ausfälle des Passanten scharf verurteilt. „Auch dieser völlig unfassbare und unentschuldbare Vorfall in Berlin zeigt: Wir alle müssen uns antisemitischer Hetze engagiert und mutig entgegenstellen”, schrieb der SPD-Politiker am Donnerstag auf Twitter. „Den Brandstiftern dürfen wir nie das Feld überlassen. Denn erst kommen die Worte, dann die Taten.”

Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff forderte während eines Besuchs bei Feinberg klare Haltung. „Es ist wichtig, dass man angesichts solcher Vorfälle sofort handelt und null Toleranz zeigt”, sagte Issacharoff. „Eine sofortige Reaktion gegen jede Form von Antisemitismus kann die einzige Antwort sein.” Der Botschafter lobte Feinberg für seine im Video dokumentierten Reaktionen. Er habe großen Mut an den Tag gelegt, sich gegen diese Anfeindung zu wehren.

Facebook löschte Video

Facebook hatte das Video entfernt, sich kurz darauf aber für den Fehler entschuldigt. „Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden”, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

„Wir wissen, dass es frustrierend sein kann, wenn solch ein Fehler passiert und entschuldigen uns hiermit dafür.” Sie verwies darauf, dass jede Woche hunderttausende Meldungen bearbeitet würden.

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